< 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Werder Bremen
26.03.2014 12:55 Alter: 3 yrs

27. Spieltag der Fußball-Bundesliga, Hamburger SV gegen SC Freiburg

Mittwoch, 26. März 2014, 20 Uhr - Imtech Arena, Hamburg - Hamburger SV - SC Freiburg -


Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Wegen der Englischen Woche, erlaube ich mir mal wieder, einen Text doppelt zu verwenden - als Nachspiel zum Bremen-Kick und als Vorspiel zum heutigen Kellerderby in Hamburg. Ich bitte um Verständnis...

3:1gegen Bremen, das war schon geil. Witzig fand ich auch folgende Begebenheit, die sich eher am Rande abspielte: Während bei baden.fm die 21-Uhr-Nachrichten liefen, klingelte plötzlich mein Handy und eine mir auf den ersten Blick unbekannte, ziemlich lange Nummer blinkte auf. Da eine Einblendung wegen der Nachrichten in keinem Fall in Frage kam, konnte ich den Anruf in Ruhe beantworten. "Kommentierst Du gar nicht" fragte eine mir irgendwie bekannte, wenn auch ferne Stimme, ohne sich vorzustellen. "klar kommentiere ich, es laufen gerade halt Nachrichten" blaffte ich zurück, eine leise Ahnung, wer sich da zum ersten Mal nach unserer letzten Begegnung vor etwa einem Jahr überraschend meldete. "Das sind gute Spielzüge, die Deine Jungs da zeigen, die werden es ja wohl schaffen" vermutete die Stimme, die ich jetzt schmunzelnd eindeutig zuordnen konnte und ich wusste zugleich, dass das Spiel des SC Freiburg gegen Werder Bremen auch in Südafrika live im TV gezeigt wurde. Am Telefon war nämlich mein alter Spezi Ernst Middendorp. Der bundesligaerfahrene Coach, von den Fans der Arminia zum Jahrhunderttrainer gewählt, obwohl er von meinem Heimatverein dreimal entlassen wurde, coacht seit Jahren am anderen Ende der Welt Clubs in der ersten Liga. Derzeit ist der Mann, der Arminia Bielefeld zu Beginn meiner Reporterkarriere in der Oberliga Westfalen trainiert hatte, den Verein nach seiner ersten Entlassung und Wiedereinstellung - als ich schon in Freiburg war - von der Regionalliga in die Bundesliga führte und - nach einer erneuten Entlassung und Wiedereinstellung - als Retter in scheinbar auswegloser Situation übernahm und vor dem Abstieg bewahrte, Chefcoach beim Tabellensiebten der südafrikanischen Liga, Bloemfontain Celtic. Die Spiele seines Teams verfolge ich per Liveticker im iPhone. Es kommt vor, dass dann ein Torjubel irgendwann irgendwo die Stille beendet. Wenn ich dann entschuldigend erkläre, dass irgendwo in Südafrika scheinbar ein Tor gefallen ist und dann am iPhone herumhaniere, halten mich meisten Leute für total gaga. Aber Ernst M. ist seit Jahrzehnten ein guter Kumpel, von dem ich nicht wenig über die Geschehnisse hinter den Kulissen der Fußball-Bundesliga gelernt habe.  Ernst hat über die Jahre seinen neuen Lebensmittelpunkt in Südafrika gefunden, hat eine nette Südafrikanerin geheiratet, war inzwischen schon bei diversen Clubs der ersten Profiliga des Landes als Chefcoach engagiert und ist da drüben obendrein ein häufig gebuchter TV-Experte, was er , neben der Tatsache, dass er schon einmal einen Model-Wettbewerb gewonnen hat, wohl seiner präzisen und manchmal provokanten Rhetorik zu verdanken hat.

Jetzt rief dieser verrückte Vertreter der Trainergilde, Ernst M., mich ganz spontan aus Südafrika an, zum Smalltalk und weil er Freiburgs Spielweise geil fand. So kenne ich meinen Spezi...

Ernst, ich melde mich in Kürze bei Dir, wenn ich mehr Zeit habe als am Freitagabend, während des Bremenspiels.

Für mich ist Ernst Middendorp, der in Deutschland wegen einiger kleinerer aber medial gigantisch ausgemalter Eskapaden als umstritten gilt eine beeindruckende Persönlichkeit  - ein super Typ, ein genialer Trainer zugleich und eine  treue Seele obendrein. Wer mehr erfahren will, kann sich auf der ironisch und witzig von Fans erstellten HP www.jahrhunderttrainer.de über meinen Bielefelder Kumpel aus Südafrika informieren.

Das Spiel gegen Bremen endete so, wie der erfahrene Trainer Ernst Middendorp das nach einer halben Stunde treffsicher prognostiziert hatte. Es gab keine Probleme für den SC.

Wie immer nach Siegen war es auch nicht weiter schwer, Interviewpartner zu finden. Das obligatorische Interview mit Christian Streich überraschte mich dann aber etwas... Trotz einer der besten Saisonleistungen und einem hoch verdienten 3:1-Sieg gegen Bremen formulierte Streich Sätze wie "Uns steht das Wasser bis zum Hals" oder "Wir haben noch nichts erreicht, gar nichts" und "Wenn wir nur einen Millimeter nachlassen in unserer Konzentration, kriegen wir in Hamburg fünf Stück".

In der Tat wäre es sicher der größte Fehler, den der SC machen könnte, würde er seine gute Leistung gegen Bremen abfeiern und die Realitäten aus den Augen verlieren - noch immer ist die Abstiegsgefahr riesengroß und es fehlen noch mindestens drei Siege zum Klassenerhalt. Die etwas naive Vorstellung, das läuft jetzt in Hamburg, gegen Nürnberg, in Stuttgart und gegen Braunschweig so weiter wie beim 4:1 in Frankfurt und beim 3:1 gegen Bremen ist zwar verlockend und gibt reichlich Anlass zum Träumen - realistisch ist ein Klassenerhalt im "Schnellwaschgang", etwa durch zehn Punkte aus den genannten vier Spielen aber nur, wenn der SC in jedem einzelnen Spiel an seine Grenzen geht, obendrein auch mal ein bisschen Glück hat und und und.

Andererseits liegen Punkte in Hamburg und gegen Nürnberg eben näher als gegen Mönchengladbach oder in Hannover. Also hoffen darf man ja... Nur die Spieler eben nicht - die müssen Schwerstarbeit verrichten, in etwa so, wie ich es heute Morgen im Radiotalk bei baden.fm mit Moderatorin Julica Goldschmidt zum Ausdruck gebracht habe. Hier das Skript

Julica Goldschmidt: Seit gestern Abend ist der FC Bayern alter und neuer Deutscher Meister. Glückwunsch, aber viel interessanter ist ja, was am Ende der Tabelle passiert. Unser SC Freiburg sorgte da zuletzt mit zwei Siegen für Furore. Heute Abend, Anstoß 20 Uhr, spielt der SC beim Hamburger SV. Frank Rischmüller hat mich gebeten, ihn doch mal zu fragen, was er tun würde, wenn er Trainer des HSV wäre. Da sag ich doch mal, guten Morgen Mirko Slomka!

Ich: Nee, ganz so war das jetzt nicht gemeint - aber trotzdem guten Morgen - mal im Ernst, was machst Du als HSV-Trainer, wenn Du die letzten beiden Spiele des SC Freiburg gesehen hast? Du hast gesehen, wie Eintracht Frankfurt den SC mit totaler Offensive zumindest eine Halbzeit in Grund und Boden gespielt hat und nur verloren hat, weil Eintracht auch die klarsten Chancen nicht genutzt hat - und Du hast Werder Bremen gesehen, das aus einer massierten Deckung heraus zurückhaltend gespielt hat und letztlich keine Chance hatte. Also was machst Du als Slomka?

Julica Goldschmidt: ...Slomka wählt die totale Offensive und hofft auf bessere Chancenverwertung als Frankfurt.

Ich: Genauso wird es sein. Hamburg, das zuletzt im eigenen Stadion Borussia Dortmund und den 1. FC Nürnberg weggehauen hat, wird, unterstützt von 50.000 Hamburgern, total aggressiv und geradezu überfallartig die Offensive suchen. Und da müssen unsere Jungs von der ersten Minute an dagegen halten - hoch konzentriert, mutig, selbstbewusst und mit dem Spielwitz, der den SC Freiburg an guten Tagen ausmacht.

Julica Goldschmidt: Hand aufs Herz: Womit rechnest Du, Frank?

Ich: Ich glaube nicht, dass der SC in Hamburg verliert. Der Druck für den HSV ist größer, Hamburgs Bester der letzten Wochen, Calhanoglu, ist gesperrt, Illicevic, einer, der gerne und oft gegen Freiburg trifft, ist verletzt - das spricht gegen den HSV. Vor allem aber vertraue ich auf den klaren Kopf und die fußballerischen Qualitäten des SC Freiburg. Die waren zuletzt in allen Spielen zu sehen - mal mehr, mal weniger - aber immer wieder. Ich sage: Die Jungs wuppen das! 

Julica Goldschmidt: Frank, Du steigst gleich in den ICE und überträgst das Spiel heute Abend live hier bei baden.fm. Die Bundesligashow beginnt um 19.30 Uhr, das Spiel um 20 Uhr - toi toi toi! (Zitatende)

In dem besagten ICE sitze ich jetzt. Irgendwie rollt der ziemlich langsam durch die hessische Wallachei. Das scheint eine Umleitung, eine Ausweichstrecke zu sein. Per E-Mail habe ich auch schon eine leicht verspätete Ankunft in Hamburg mitgeteilt bekommen. Die Übertragung meines 752. SC-Livespiels ist aber nicht in Gefahr. Ich habe in Hamburg noch viereinhalb Stunden Zeit bis zum Anpfiff von Schiedsrichter Deniz Aytekin. Bin ja echt mal gespannt auf das Spiel heute Abend. 

Dem Hamburger Nachtleben muss ich heute übrigens - auch im Siegesfall fern bleiben. Reeperbahn und so ist nicht. Nach dem Spiel muss ich schauen, dass ich noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meinem Hotel in der Nähe des Flughafens komme, denn morgen, in aller Frühe geht schon mein Flieger nach Basel. Einerseits war das billiger als mit der Bahn und andererseits ist Donnerstag ein normaler Arbeitstag für mich und da will man ja fit und frisch sein, was nach gesundem Schlaf und einem kurzen Flug sicher leichter fällt als nach nächtlicher Zockerei und sechs Stunden Bahnfahrt. 

Ich sehe gerade, wir sind in Fulda. Es sind schon noch ein paar Stunden bis zum Zielort Hamburg. 

Ich übertrage das Bundesligaspiel Hamburger SV gegen SC Freiburg heute Abend ab 20 Uhr bei baden.fm. Die Bundesligashow beginnt um 19.30 Uhr.

 

Das Fußballspiel(Mein 752. SC-Livespiel)

 1:1 in Hamburg - ein wichtiger Auswärtspunkt im Abstiegskampf, der die Begegnung vor 44.429 zahlenden Zuschauern in der Imtech Arena spürbar prägte. Ähnlich - aber nicht ganz so extrem - wie in Frankfurt, hatte der gastgebende Gegner zunächst deutlich mehr vom Spiel und auch ein klares "Chancenplus". Vor allem der nach einer Verletzung erstmals wieder spielende Stoßstürmer Pierre Michel Lasogga war von der sehr beschäftigten Freiburger Abwehr kaum zu kontrollieren. Lässt man die mittelprächtigen Abschlussversuche beider Mannschaften weg und zählt nur die wirklich klaren Chancen, kam der HSV gegen den SCF in der ersten Halbzeit zu einem Chancenverhältnis von 3:0. Alle drei Male war es Lasogga, der jeweils knapp am Torerfolg vorbei segelte. Zweimal parierte SC-Torwart Olli Baumann glänzend, einmal lenkte das Knie von Matthias Ginter den Ball noch knapp um den Pfosten herum. Das 0:0 zur Pause war fraglos ein glücklicher Zwischenstand für den SC, über eine Hamburger Führung mit einem oder auch zwei Toren hätte sich niemand ernsthaft beschweren können.

In der zweiten Hälfte machte der SC allerdings von Beginn an klar, dass er nicht länger bereit war, dem Hamburger Sturmlauf so passiv zu ertragen wie vor der Pause. Der HSV wurde jetzt eher gestört, "höher aufgenommen", wie die Fußballer sagen und der SC suchte seinerseits unternehmungslustig den Weg nach vorne. Kaum hatte ich den Hörern der baden.fm-Bundesligashow diese Beobachtung via Radio mitgeteilt und zurück zu Moderator Thomas Treinis ins Studio gegeben, "klingelte" es überraschend im Tor der Hamburger. Einen langen Einwurf von Oli Sorg, der nachdem Menzur Mujdza in der ersten Hälfte verletzt ausgewechselt worden war, auf der rechten Seite verteidigte und in dieser Situation weit aufgerückt war - Sorgs langen Einwurf also - spitzelte der gut aufgelegte Felix Klaus an den Pfosten. Die daraus entstehende Unordnung im Hamburger Strafraum nutzte Vladimir Darida aus dem Rückraum zu einem trockenen Spannschuss, der (nicht nur) zur Freude der über 1.000 SC-Anhänger im Stadion zum 0:1 im Hamburger Tor einschlug. Seine erste veritable Torchance hatte der SC damit in der 50. Minute, per Nachschuss, erfolgreich genutzt. Die Freude über die angesichts der ersten Halbzeit etwas unverhoffte Führung hielt aber leider nur fünf Minuten. In der 55. Minute war der HSV einmal mehr gefährlich am Freiburger Strafraum aufgetaucht. Ein Schussversuch von Raphael  van der Vaart wurde an der Strafraumgrenze abgeblockt. Der Ball sprang nun Pierre-Michel Lasogga vor die Füße, dessen Schuss wiederum von Pavel Krmas abgefälscht wurde. Kurz: Olli Baumann im SC-Tor war ohne jede Abwehrchance. Das 1:1 war nicht zu vermeiden und für den am Mittwochabend starken HSV, der im eigenen Stadion zuletzt Dortmund und Nürnberg besiegt hatte, auch irgendwie verdient - da muss man ehrlich bleiben, finde ich.

Beim Spielstand von 1:1 und immer knapper werdender Spielzeit, war allen Akteuren die ungeheure Wichtigkeit eines möglichen nächsten Treffers - für oder gegen die eigene Mannschaft - im Abstiegskampf der Bundesliga bewusst. Die Nervenbelastung aller Spieler war jetzt evident. Nichts ging mehr locker....

Hamburg stürmte zwar weiter, aber mit weniger Präzision und Torgefahr als vor der Pause und der SC suchte sein Glück in Kontern. Letzteres gelang zunehmend gut, sodass der Sportclub in den letzten 20 Minuten der Begegnung dem "lucky punsh", dem glücklichen Siegestreffer also, näher war als der müder werdende HSV. Als der gute Schiedsrichter Deniz Aytekin die Partie nach drei Minuten Nachspielzeit - nur zwei Minuten waren ursprünglich vom vierten offiziellen angezeigt worden - und einer allerletzten kurzen Drangperiode der Platzherren abpfiff, stand es noch immer 1:1 zwischen HSV und SCF. Für Hamburg, dass in den verbleibenden Saisonwochen vor allem gegen die Hochkaräter der Liga aus dem oberen Tabellendrittel anzutreten hat, war das Remis gegen Freiburg "gefühlt" zu wenig. für den Sportclub, der nun noch drei weitere "Abstiegsendspiele" gegen direkte Mitbewerber um den Klassenerhalt vor der Brust hat (Nürnberg, Stuttgart und Braunschweig), bevor gegen Gladbach, Wolfsburg, Schalke und Hannover das Saisonfinale wartet, war der glückliche, aber angesichts der zweiten Halbzeit nicht unverdiente Auswärtspunkt willkommen. Durch das Unentschieden verteidigte der SC den Zweipunktevorsprung vor Hamburg und baute den vor Stuttgart auf zwei Punkte aus. Das Match gegen die seit Mittwochabend punktgleichen Nürnberger am kommenden Samstagabend um 18.30 Uhr kündigt sich, zumindest von der Spannung her, als echter Knüller an. Da sollte es dann wieder ein Dreier werden...

 

Das Nachspiel

 

Die Rückschau auf das Spiel und auch diese Zeilen schreibe ich auf Platz 25A  des easyJet-Flugs Hamburg-Basel sitzend. Trotz des Streiks im öffentlichen Dienst, speziell in den großen deutschen Flughäfen, gab es mit diesem Flug ab Hamburg Airport, der eigentlich auch bestreikt wird, überraschend  keine Probleme. (Landeanflug auf Basel... iPad muss ausgeschaltet werden.)

So, jetzt sitze ich vor dem Euroairport Basel-Mulhouse-Freiburg in der Sonne und warte auf einen netten Zeitgenossen, der sich - wie ich finde - extrem freundlicher Weise angeboten hat, mich heute hier abzuholen. Da der Flieger etwas schneller war als geplant, habe ich ein bisschen Zeit.

Reisetechnisch habe ich rückblickend übrigens alles richtig gemacht. Hin zu normalen Zeiten (ca. halb zehn ab Bad Krozingen), zurück mit dem frühesten Flug (8.20 Uhr ab Hamburg) - das war schon mal gut und angenehm. In der Hansestadt hatte ich ein günstiges Hotel in unmittelbarer Flughafennähe gebucht - 48 Euro, 15 Gehminuten zum Airport - das war schon irgendwie eine perfekte Wahl. So konnte ich zumindest bis halb sieben schlafen und den Tag dann entspannt angehen. Das Erste, was ich heute tat, war über mein iPhone-App die baden.fm-Nachrichten um 6.30 Uhr zu hören. Am Ende lief ein O-Ton von Matthias "Gindes" Ginter aus dem Interview, das mir das große SC-Talent gestern Abend, nach dem Spiel, in der Mixedzone gegeben hatte. Die Interviews - neben "Gindes" hatte ich noch Olli Baumann und natürlich Christian Streich zum Gespräch gebeten - waren also gut bei ihren Adressaten, der baden.fm-Nachrichtenredaktion und der SC-Homepage www.scfreiburg.com angekommen, wusste ich auf diese Weise.

Wegen der Abflugszeit um 8.20 Uhr war heute natürlich ein Livegespräch bei baden.fm auf dem dafür fest gebuchten Sendeplatz um 8.40 Uhr ausgeschlossen. Vereinbart war nun, dass ich mich irgendwann, aber eben frühzeitig melde, um den obligatorischen Kurztalk mit Julica Goldschmidt aufzuzeichnen. Als in Hamburg gesichert war, dass mein Flug nicht dem Streik zum Opfer fallen würde, und ich die üblichen Personen- und Gepäck-Kontrollen im Flughafen hinter mir hatte und mit einem Milchkaffee und einem Schinken-Käse-Brötle in einem Café direkt neben " meinem" Gate A39 saß, war der Zeitpunkt gekommen.  Ich rief Julica Goldschmidt im Studio an und da gerade Werbung lief, konnten wir direkt zur Aufzeichnung schreiten; ganz spontan, völlig ohne schriftliche Vorbereitung und auch ohne irgendwelche Absprachen - es klappte aber bombig. "Das kann ich ja so direkt 1:1 so senden" freute sich Julica, die eben auch genau die richtigen Fragen gestellt hatte, die ich im Rahmen der üblichen zwei bis zweieinhalb Minuten aus dem Stehgreif und - zum Glück - locker flockig aber fachlich korrekt  beantworten konnte. Natürlich, wie im Radio üblich und verlangt, mit lauter Stimme und " pride and passion" (Stolz und Leidenschaft) ausstrahlend. Die Menschen, die im Flughafencafé um mich herum saßen, schauten mich mit großen Augen an. So etwas kriegen die auch nicht alle Tage mit, war mein Eindruck. Sauer oder angepinkelt war aber niemand - da waren wohl keine HSV-Fans drunter...

 

Ich sitze immer noch in der Sonne - aber nicht mehr vor dem Euroairport, sondern daheim auf der Dachterrasse des WZO-Verlagshauses. Hier wohne ich ja auch privat und zwei, drei private Stunden kann ich mir noch gönnen, bevor es zwei Stockwerke tiefer wieder an die Zeitungsarbeit geht...

Ein Extrablatt zur Bürgermeisterwahl in Breisach am kommenden Sonntag muss - bis auf die Zahlen, die es ja erst am Sonntagabend gibt - vorbereitet werden, die zu übersetzenden Artikel für unsere zum 8. Mai erscheinende französischsprachige Zeitung "Bonjour Voisins" müssen ausgesucht und zum Übersetzer geschickt werden und die Honorare der Reblandkurier- und Wochenblattausgaben vom gestrigen Mittwoch müssen kontrolliert und freigegeben werden. Dann bin ich wieder in meinem anderen Element - mit Anzug und Krawatte am Schreibtisch und an der Spitze einer tollen Redaktion, die - gerade im Frühjahr - eine Menge wegschafft. Ich freue mich auf mein Team nachher...

Die Nike-Joppe und Basketballstiefel, die ich als Fußballnase vom Radio trage, wenn ich zu den Spielen unterwegs bin oder zurückkomme, habe ich dann wieder abgelegt. Ich mag diese kleinen Verwandlungen übrigens sehr - damit verbunden auch die Vielseitigkeit meines Berufslebens. Ich möchte echt mit niemandem tauschen!

Die Nike-Klamotten von meinem Ausrüster "Teamsport Kohl" kann/darf/muss ich ja übermorgen schon wieder überstreifen, wenn der 1. FC Nürnberg kommt. Ach ja, und die Akkreditierung für nächste Woche in Stuttgart muss ich heute auch noch beantragen - es geht halt immer weiter, weiter, weiter - bis zum Klassenerhalt.