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23.08.2016 19:56 Alter: 2 yrs

1. Spieltag der Fußball-Bundesliga, Hertha BSC gegen SC Freiburg

Sonntag, 28. August 2016, 15.30 Uhr * Olympiastadion Berlin * Hertha BSC - SC Freiburg


Das Vorspiel

 

Mein Tagebucheintrag zum Pokalspiel in Babelsberg endet mit folgenden Sätzen:

Die Bahnreise nach Berlin, zum Spiel in Babelsberg war toll. Trotzdem bin ich jetzt froh, dass ich Samstag in den Billigflieger steigen kann und eine Stunde später schon wieder in Schönefeld lande, auch wenn ich dafür diesmal besonders früh aufstehen muss. Mein Start-Programm vor Ort: Ankunft Samstagmorgen, Übernahme des Mietwagens am Airport, Fahrt in die City, Training im Clever Fit, Mittagessen in der geilen Pizzeria nähe Ku’damm und dann irgendwo die Sky-Konferenz von zweiter und erster Liga. Die legendäre Sportsbar „Hanne am Zoo“ geführt vom Ex-Hertha- und Bayernprofi Hanne Weiner gibt es leider nicht mehr und Hanne selber ist schwer an Parkinson erkrankt. Das tut mir sehr leid. Hanne und ich, wir verstanden uns gut. Ich war öfter bei ihm in seinem Lokal "Hanne am Zoo", das 2010 geschlossen wurde. Hanne hat mich auch ein, zweimal ins Stadion begleitet. ich wünsche Dir alles Gute, Junge!    

Zum Fußball schauen werde ich eine andere Bar in Berlin finden. (Zitatende)

Schon wieder Berlin… Die Häufung der fußballbegründeten Berlinreisen ist diese Woche auch Thema in meiner Kolumne „SC INTEAM“ in den Wochenzeitungen am Oberrhein. Hier der Wortlaut:

 

SC INTEAM

Der beliebte Fan-Schlachtruf „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ hat für Mannschaft und Fans des SC Freiburg in diesem Jahr ganz besondere Bedeutung. Am 15. Mai endete die vergangene Zweitligasaison mit einem Gastspiel im „Stadion an der alten Försterei“ in Köpenick, beim 1. FC Union Berlin. Am kommenden Sonntag, 28. August, beginnt die neue Saison für die Freiburger ebenfalls in der Hauptstadt, allerdings in der 1. Bundesliga und im Olympiastadion, als Gast von Hertha BSC. Das einzige Pflichtspiel zwischen Zweitligafinale und Bundesligastart bestritt der SC am vergangenen Samstag in Babelsberg, vor den Toren der Hauptstadt, was von Mannschaft, Fans und medialen Begleitern üblicher Weise auch über Berlin abgewickelt wird. Die nächste Berlinreise des SC-Trosses könnte dann im Mai jene zum DFB-Pokalfinale sein. Zumindest die erste von fünf Hürden, die eine erfolgreiche Pokalmannschaft bis zum  Finale  überwinden muss, hat der SC in Babelsberg souverän übersprungen. Am verdienten 4:0-Erfolg des ohne fünf potenzielle Startelfspieler (Kempf, Torrejon, Gulde, Frantz und Petersen) angetretenen Bundesligisten gab es nichts zu deuteln. Rückschlüsse auf den Bundesligastart bei Hertha BSC ließe der Pokalauftritt in Babelsberg aber nicht zu, verriet Trainer Christian Streich. Das gilt sowohl für die Einordnung von gezeigter Leistung und Sieg, als auch taktisch. Spielte der SC wegen der vielen personellen Ausfälle im Mannschaftsteil Innenverteidigung in Babelsberg mit einer klassischen Viererkette, könnte bei Hertha wieder die Dreier-, respektive Fünferkette zum Tragen kommen, die in der Vorbereitung konsequent geübt wurde. Immerhin steht im Olympiastadion mit Manuel Gulde ein zweiter gelernter Innenverteidiger neben Caglar Söyüncü zur Verfügung. Auch des Offensivspiel wäre von einem Systemwechsel betroffen und könnte zudem durch die Rückkehr von Mike Frantz und  Nils Petersen in den Kader auch personelle Änderungen erfahren. Die Hertha-Spione unter den Zuschauern in Babelsberg konnten daher  mit Blick auf den Bundesligastart am Sonntag  relativ wenig über Taktik und  Spielvermögen  des SC Freiburg in Erfahrung bringen. Fest steht nur: Für den SC geht es ab Sonntag um jeden Punkt für den Klassenerhalt. Viel Glück und Erfolg! (Zitatende)

 

Meine Flugreise zum Hertha-Spiel habe ich übrigens schon gebucht, als noch gar nicht feststand, wann genau die Jungs kicken. Fest stand nur, dass Bayern gegen Bremen am Freitagabend stattfindet. Vor diesem Hintergrund habe ich den Frühflug am Samstag für die Hinreise und den Frühflug am Montag für die Rückreise gebucht – zusammen für weniger als 100 Euro. Ein guter Deal, denke ich. Gleich wenn ich ankomme übernehme ich am Flughafen einen Mietwagen. Da ich morgens um 8 Uhr oder 9 Uhr mein Zimmer im Intercity Hotel Brandenburg Airport noch nicht beziehen kann, werde ich erstmal in die Stadt düsen und im „Clever Fit“ in der Joachimsthaler Straße, wo ich letzten Samstag schon trainiert habe, zu meinem 45-minütigen Intervalllauf auf das Laufband steigen und dann nassgeschwitzt unter die Dusche springen. Mit Stephan aus Soest, Chefarzt und zugleich ein guter Typ und bei jedem SC-Spiel als Fan anwesend, treffe ich mich anschließend zum Mittagessen in einer feinen Pizzeria in der Meinekestraße beim Ku’damm, wo ich anlässlich des Babelsberg-Wochenendes schon zweimal mit meiner Familie gut gegessen habe. Stephan war übrigens schon bei der „Mutter aller Aufstiegsfeiern“, nach dem Sieg in Paderborn, im Bielefelder „Kreta“ mit dabei. Außerdem haben wir bei der EM Italien gemeinsam besiegt; also wir haben den Sieg im Rahmen einer Pizza-Party bei mir zu Hause in Bad Krozingen am Fernsehschirm verfolgt und mächtig gejubelt für Jogi und die Jungs.

Am Samstagnachmittag empfiehlt sich dann – wie eingangs ausgeführt – irgendwo die Ligaspiele zu verfolgen, am besten in der Konferenz. Vorher will ich aber unbedingt mein Zimmer beziehen. Mal schauen, vielleicht habe ich Glück und das Hotel bietet auch Sky an oder so. Abends will ich wieder in das Lokal „Dicke Wirtin“ am Savigny-Platz – der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und in dem Laden hat es mir gut gefallen. Wenn das Wetter gut ist, ist der Savigny Platz sowieso top zum essen, trinken und quatschen. Ins Gespräch kommt man da schnell und mit jedem, ist mir aufgefallen.

Der Sonntag gehört dann ganz dem Bundesligaauftakt unseres SC.  

Gestern habe ich mich gefragt, warum ich mit Blick auf das Spiel bei Hertha BSC so gut drauf bin, so grundoptimistisch? Ein Blick in die jüngere Geschichte der Gastspiele im Olympiastadion führte zur Klarheit: Die letzte Niederlage als Gast von Hertha datiert vom 9. April 2005, ist also mehr als elf Jahre her. Dann folgten vier Auswärtsauftritte im altehrwürdigen Olympiastadion, die den Sport-Club beinahe zu so etwas wie einem Angstgegner werden ließen; dreimal konnte der SC gewinnen, einmal ging es torlos 0:0 aus. Am 20. September 2009 sorgten Banovic (6./68.)), Makiadi (12.) und Idrissou (42.) für einen satten 4:0-Sieg unseres SC. Das nächste Mal ging es am 10. April 2012 zur Hertha und wieder konnte der Sport-Club das Stadion als Sieger verlassen. Hubnik leitete die erneute Hertha-Schlappe schon in der  7. Spielminute mit einem Eigentor ein. Freis erhöhte in der 68. Minute auf 0:2, bevor erneut Hubnik traf – diesmal ins Freiburger Tor zum 1:2-Endstand. Am 28. Februar 2014 trennten sich die Mannschaften 0:0 und ziemlich genau ein Jahr später, am 15. Februar 2015, rasierte der SC die „alte Dame“ Hertha einmal mehr. Klaus (15.) und Philipp (52.), der ja aus Berlin stammt, sorgten für die Sieg bringenden Tore. Vier Siege, vier Niederlagen und neun Unentschieden stehen in der Gesamt-Auswärtsbilanz bei Hertha seit dem ersten Aufeinandertreffen in Berlin, in der  Saison 81/82 in der 2. Liga,   zu Buche. Die jüngere Vergangenheit habe ich detailliert beschrieben. Warum also mutlos in die Hauptstadt reisen?

Es gibt keinen Grund.

 

Und die Hertha anno 2016/2017? Platz sieben in der Vorsaison ist mehr als respektabel. In der Qualifikation zur UEFA Europa League schieden die Berliner gegen das neue Team von Alexander Zorniger Bröndby IF nach einem 1:0 Heimsieg beim Rückspiel in Kopenhagen mit 1:3 aus. Und im DFB-Pokal benötigte Hertha das Elfmeterschießen, um sich bei Drittligist Jahn Regensburg durchzusetzen. Das macht die Herthander um den ehemaligen Freiburger Vladimir Darida gegen Aufsteiger SCF natürlich nicht von vorne herein zu „Opfern“, man kann sich aber vorstellen, dass Hertha am Sonntagnachmittag im Heimspiel bei 31 Grad nicht unbedingt mit breiter Brust auflaufen wird. Insbesondere defensiv würde Hertha schwimmen, hat mir ein mutmaßlicher Kenner der Berliner Fußballszene am Rande des Spiels in Babelsberg erzählt. Der SC solle sich nur nicht hinten reinstellen und auf ein 0:0 spielen, sondern attackieren, gab mir der Mann mit auf den Weg. Ich erklärte ihm, dass es nicht zur Freiburger Fußballkultur gehöre, bewusst auf ein 0:0 aus zu sein und dass ich zudem sicher sei, dass das Trainerteam des SC die Hertha bestens analysiert habe und daraus in aller Regel die richtigen Schlüsse ziehe.

 

In Babelsberg war Christian Streich wegen der Verletztensituation in der Innenverteidigung und der Sperre von Gulde, die dazu kam, auf eine Viererkette umgeschwenkt, obwohl in der Saisonvorbereitung vor allem die Dreier-, respektive Fünferkette eingeübt worden war. Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Dreierzentrale beim Hertha-Spiel wieder greift. „Chico“ Höfler zentral, eingerahmt von Gulde und Söyüncü – so könnte das vor Schwolow aussehen. Als vorgeschobene Außenverteidiger rechne ich rechts mit Ignjovski oder Stenzel, links mit Günter. Im Mittelfeld rechne ich mit Grifo, Abrashi und Frantz. Niederlechner und Philipp sehe ich als Doppelspitze in der Startelf. Petersen könnte nach seiner Rückkehr aus Rio im ersten Ligaspiel der Saison als Joker eingeplant werden. Ich glaube nicht, dass Christian Streich Nils sofort ins Startelfrennen schickt. Es sei denn, er lässt Franz draußen und schickt Philipp ins rechte Mittelfeld – dann wäre ein Platz für Petersen in der Doppelspitze frei. Das wäre personell aber auch eine verdammt offensive Ausrichtung. Warten wir es ab…

 

Bevor ich Samstagmorgen in den Flieger steige, schaue ich mich am Freitagabend natürlich noch das Baden-Württemberg-Derby der zweiten Liga an… Sandhausen gegen VfBäh (ts ts ts). Und natürlich das Eröffnungs-5:0 von Bayern gegen Bremen und dann die Auslosung der zweiten Pokalrunde – ach, ich bin einfach nur froh, dass es wieder losgeht.

 

Ich übertrage das Bundesligaspiel Hertha BSC gegen den SC Freiburg am Sonntag ab 15 Uhr live bei baden.fm.

 

Das Fußballspiel (Mein 836. SC-Livespiel)

 

Mehr als 43 Grad Celsius auf dem Rasen des Olympiastadions – entsprechend tempoarm war die Partie. Wer unter den knapp 42.000 Zuschauern erfrischenden Angriffsfußball von der einen oder der anderen Seite erwartet hatte, sah sich ob der Bullenhitze getäuscht. Sowohl Hertha, als auch der Sport-Club setzten über weite Strecken der Begegnung auf Ballsicherung und Risikovermeidung. So blieben Torchancen Mangelware. Insbesondere in der ersten Hälfte konnte sich der Vorjahressiebte Hertha BSC keine einzige ernst zu nehmende Tormöglichkeit erspielen. Auch, weil die Freiburger Defensive trotz der Ausfälle von Kempf und Torrejon erstaunlich gut organisiert und sattelfest war.

Christian Streich und seine Mitstreiter im Trainerteam hatten sich zum Bundesligaauftakt dann doch für die Dreier-, respektive Fünferkette entschieden. Da Hertha im Spielaufbau generell nicht so beeindruckend kickt, überließen die Gäste den Platzherren die Aufgabe, das Spiel zu machen. Und da die Berliner in der Tat lieber auf Umschaltspiel setzen und mit dem Ball ansonsten wenig kreativ umgehen, passierte halt nichts. Das Problem für die rund 2.000 Schlachtenbummler, die den SC unterstützten und auch für mich als südbadischer Livereporter mit großem Herz für das Streich-Team, war, dass der SC nach vorne auch extrem wenig zu Stande brachte. In Erinnerung geblieben sind mir aus der ersten Halbzeit drei erwähnenswerte Offensivsituationen: Ein Solo von Niederlechner ab der Mittellinie aus halbrechter Position startend, das erst in letzter Sekunde im Sechzehnmeterraum von Skjelbred  ausgebremst, ein Pass von Philipp auf Grifo, dessen Schuss aus acht, neun Metern so gerade noch abgeblockt und über die Torauslinie abgefälscht wurde und ein 20-Meter-Schuss von halblinks, abgefeuert von Niederlechner aber leider deutlich zu hoch.

Das Problem: Bei eigenem Ballbesitz spielten bei einigen SC-Akteuren die Nerven einen Streich: Ignjovski und Haberer auf der rechten Seite, Abrashi in der Zentrale aber auch Grifo agierten meistens zu hibbelig und bei den Pässen zu ungenau, um ein gefährliches Freiburger Angriffsspiel zu inszenieren. Von Philipp war in seiner Geburtsstadt kaum etwas zu sehen. Und da Höfler als zentrales Glied der Dreier- bzw. Fünferkette aushelfen musste, fehlte er als ballsicherer Akteur und Taktgeber ein paar Meter weiter vorne. Das 0:0 zur Pause ging aber in Ordnung, der SC hatte ohne zu überzeugen auf Augenhöhe mit dem Tabellensiebten der Vorsaison gekickt und dabei in der Abwägung der wenigen Strafraumszenen auf beiden Seiten sogar die besseren Möglichkeiten verzeichnet.

Das änderte sich in Halbzeit zwei. Die Schwächen im Spiel nach vorne wurden immer deutlicher, die daraus resultierenden Ballverluste brachten Hertha in die Rolle der dominierenden Mannschaft. Eine gute Parade von Schwolow, Glück als Höfler einen Schuss der Berliner per Kopf an die Latte des eigenen Tores verlängerte – der SC geriet etwas ins Schwimmen, ein Treffer für Hertha lag jetzt in der Luft. Christian Streich sah das Übel kommen, wollte System und Personal wechseln. Bulut und Petersen standen bereits bereit als das Unheil zuschlug – übrigens in Person des ehemaligen Freiburgers Darida, der nach einer der wenigen gelungenen Berliner Offensivkombinationen mit einem satten Spannschuss unten rechts ins SC-Tor traf. Der insgesamt durchaus beeindruckend abgeklärt agierende Söyüncü konnte den Schuss aus 15 Metern nicht mehr blockieren, Schwolow war chancenlos.1:0 für Hertha. Erst dann konnte Streich wechseln. Fortan lief es etwas besser beim SC – von Hertha kam eine Zeit lang nichts mehr. Die Sekunden und Minuten verstrichen in Windeseile. Hertha drehte, wann immer die Spieler die Gelegenheit dazu hatten, an der Uhr. Fünf Minuten Nachspielzeit war die Konserquenz aus Trinkpause und Berliner Zeitspiel. Als die Hälfte der Nachspielzeit abgelaufen war gab es Eckball für den SC. Standardsituationen haben sie drauf die Jungs, da gibt es eingespielte Muster. Mit einer Kopie des späten Ausgleichs vor einigen Wochen in Braunschweig gelang jetzt in Berlin das späte 1:1. Grifo flankte und die Rolle des Kopfball-Helden, der das Ding ins lange Eck drückt übernahm Höfler (in Braunschweig hatte Kempf getroffen). 1:1 – welch ein Jubel…

Jetzt hatte Hertha es plötzlich eilig und hatte das Glück, das du manchmal brauchst. Zwei, drei Mal blockieten Freiburger Abwehrrecken in der 95. Minute den Ball, jedes Mal sprang die Kugel wieder einem Herthaner vor die Füße. Dann tacklete Bulut etwas unglücklich gegen den eingewechselten Schieber, so dass der den Ball aus spitzem Winkel Richtung SC-Tor stochern konnte. Schwolow hechtete zum Ball, der aber durch Höfler noch abgefälscht und leicht in eine andere Richtung gelenkt wurde. So war Schwolow machtlos und der Ball im Tor. 2:1, der Schlusspunkt einer zähflüssigen Partie mit furioser Nachspielzeit.

 

 Das Nachspiel

 

Berlin war anstrengend. Das lag am Wetter, am Spielverlauf aber auch an meinen selbst gewählten Reisemodalitäten. Um den bereits im Juni für kleines Geld gebuchten Flieger am Samstagmorgen in Basel pünktlich zu erreichen, musste ich nämlich um 4 Uhr in der Frühe aufstehen. Ich erinnere mich an die Zeit vor etwa 12 Jahren, als ich bei uns im Radio neben Chefredaktion und Fußball auch noch die Morningshow moderiert habe. Da musste ich jeden Morgen so früh raus – jetzt nur einmal und das, um zum Fußball zu fliegen. So stieg ich relativ gut gelaunt zu nächtlicher Stunde unter die Dusche. Beim Einshampoonieren wurde mir allerdings klar, dass ich insgesamt nur zwei Stunden geschlafen hatte. Meinen letzten wachen Blick auf den digitalen Wecker, dessen Ziffern bei mir im Schlafzimmer an die Decke gebeamt werden, erinnere ich  so kurz vor 2 Uhr. „Schaun mer mal“, dachte ich kurz – „vielleicht steiche ich ja doch die geplante Trainingseinheit in Berlin…“ So schnell wie der Gedanke gekommen war, verwarf ich ihn auch wieder. Ich fuhr relativ entspannt  zum Euro-Airport, parkte im Parkhaus 1 (was später mehr als 48 Euro kosten sollte) und schlenderte nach dem Sicherheitscheck ohne Eile zum Gate. Da wartete man schon auf mich – ich kam als Letzter in die Maschine. Ich war spät aber nicht unpünktlich.

In Berlin war ich dafür früh. Schon um acht Uhr stand ich in der Baracke vor dem Flughafen, in der die Mietwagenfirmen versammelt waren. Leider war der für mich zuständige Schalter (Hertz/Thrifty) noch geschlossen und sollte wohl auch erst um 9 Uhr geöffnet werden. Also trottete ich zum Intercity-Hotel Brandenburg Airport, das ja nur rund 300 Meter entfernt, direkt an der Einfahrt zum Flughafen-Areal liegt. Hier bat ich freundlich um einen „early Check-in“, den man mir für einen Aufpreis von 10 Euro gewährte. Ich bezog mein Zimmer, räumte meine Sachen ein, tauschte die Jeans gegen den hummel-Short, packte meine Sporttasche und trank auf der Hotelterrasse einen Milchkaffee. Per „Facetime“ begrüßte ich daheim meine Familie und fand sie alle im elterlichen Doppelbett vor. Mir wurde direkt warm ums Herz…

Gegen 9.15 Uhr schlenderte ich zum Mietwagenschalter. Der Typ dahinter erwartete mich schon, denn er hatte nur noch ein Auto zu vergeben und ich war ja angemeldet. Der letzte verbliebene Wagen war übrigens nicht die gebuchte und bezahlte Mini-Klasse, sondern ein großer Peugeot 5008 mit Navi und allen Schikanen; zum selben preis versteht sich. Das Geschenk nahm ich doch gerne an. Nachdem ich mich mit dem fremden Navi angefreundet und den Bordcomputer auf die deutsche Sprache eingestellt hatte, ließ ich mich zur Joachimsthaler Straße 19 im Bezirk Charlottenburg leiten, wo ich im „Clever Fit“ trainieren wollte. Auf dem Laufband merkte ich  schnell, dass die Magenverstimmung der letzten Tage und die kurze Nacht nicht gerade förderlich für meine Tagesform waren. Ich quälte mich trotzdem durch mein 45-minütiges Laufprogramm und war am Ende total happy, dass ich nicht aufgegeben hatte. Die Waage in der Umkleide brachte mich wieder nach vorne, habe ich doch inzwischen tatsächlich mehr als 12 Kilo abtrainiert. Fast euphorisch, wenn auch müde, ging ich ein zweites Mal an diesem tag unter die Dusche. Beim Italiener in der Meinekestraße beim Ku’damm, also wirklich um die Ecke, traf ich dann, wie verabredet SC-Edelfan Stephan aus Soest. Ich gönnte mir ein feines Salätchen und einen halben italienischen Käseteller. Dass Stephan mich einlud, ehrt ihn – danke! – nächstes Mal bin dann ich dran. Vielleicht gegen Gladbach, in Köln, gegen Hamburg oder in Dortmund – genau wie ich als Reporter, ist ja auch Stephan als Fan bei allen Spielen. Respekt!

Am Nachmittag zog ich mir halb vor mi8ch dahin dämmernd die Konferenzschaltung bei Sky rein und schlief nach dem Spätspiel schon bald ein.

Nebenbei hatte ich die Gerüchteküche bei www.transfermarkt.de gecheckt. Marcel Tisserand, Innenverteidiger vom AS Monaco, wurde da ebenso seit Tagen mit dem SC in Verbindung gebracht wie der Portugiese Tiago Ilori vom FC Liverpool. Beides schien mir schon finanziell nicht realisierbar zu sein, wenn der SC seinen Prinzipien treu bleibt. Plötzlich tauchte der Name Berat Djimsiti in Verbindung mit dem Sport-Club auf. Ein 23-jähriger albanischer Nationalspieler, ein Kollege von Amir Abrashi also, der in Zürich geboren und beim FC Zürich ausgebildet und zum Profi wurde. Letztes Jahr wechselte er ablösefrei zu Atalanta Bergamo, wo er aber nicht glücklich geworden ist und als wechselwillig gilt. Alter, Vorgeschichte und die sportliche Situation ließen mich sofort reagieren: „Der könnte es sein“ postete ich bei Facebook und meldete meine persönliche Einschätzung zu diesem Gerücht am Sonntagnachmittag auch im Rahmen der baden.fm-Bundesligashow. Im Audiointerview nach dem Spiel fragte ich Christian Streich direkt nach dem „jungen Mann von Atalanta Bergamo“, doch der SC-Trainer erklärte klar und deutlich, dass das nicht der neue Innenverteidiger des Sport-Clubs sei, man habe aber einen anderen fest an der Angel.

Zwischenzeitlich hatte mir eine Kollegin gesteckt, dass einer der Handlungsträger des SC einem namhaften Journalisten gesteckt hätte, es handele sich um einen Spieler, den wir alle nicht kennten. Das hätte jetzt wieder zu meinem Kandidaten Djimsiti gepasst… Im Laufe des Sonntagabends habe ich mir dann überlegt, dass der SC uns entweder alle mit einem absoluten no-name überrascht oder dass genau das Gegenteil der Fall ist – also einer den alle kennen: Sané von Hannover oder Niedermeier aus Stuttgart kämen dann in Frage.  Stand heute, Dienstag, 16 Uhr, verdichtet sich das Gerücht, dass Georg Niedermeier der Kandidat ist. Bestätigt ist das allerdings noch nicht. Vieles deutet aber darauf hin. Dann wäre der namhafte Journalist aber ganz schön – mit Verlaub – verarscht worden. Witzig wäre das ja. Ob Niedermeier in der gegebenen Situation in der SC-Abwehr die gewünschte Hilfe wäre, obliegt dem 30-jährigen Routinier, genau dieses zu beweisen. Vielleicht ist ja ein so groß gewachsenes Kopfballungeheuer mit rustikalen Abwehrfähigkeiten genau das, was dem SC noch fehlt.

Ein Facebook-Kontakt fragte an, ob es für mich nicht heikel wäre, Christian Streich direkt auf einen potenziellen Neueinkauf wie Berat Djimsiti anzusprechen. Geheimhaltung sei ja doch sehr hilfreich für ein Zustandekommen eines Transfers. Ich denke, wenn der Spieler bei www.transfermarkt.de mit dem SC in Verbindung gebracht wird, gibt es keine Geheimhaltung mehr, dann spielt das keine Rolle mehr, ob Rischmüller im Regionalradio oder im Audiointerview auf der SC-Homepage darüber spricht. Ich denke zudem, dass – wer immer der Kandidat ist – die Geschichte längst in trockenen Tüchern ist und aus irgendwelchen Gründen noch nicht kommuniziert wurde. Sonst hätte sich Christian Streich nicht schon am Freitag in der PK vor Berlin oder am Sonntag nach dem Spiel so geäußert, wie er sich geäußert hat. Außerdem bin ich schlussendlich nicht vom Geheimdienst, sondern Journalist. Die Zeiten - vor Internet, Sky etc. - in denen eine Nase wie

ich einen Transfercoup aufdeckt sind lange vorbei. Mitte der 90er, als Axel Sundermann aus Hannover verpflichtet wurde, da hatte ich die Ehre, den Namen herauszufinden und dem Neuen auch das erste mediale Statement zu seinem Wechsel zu entlocken. Damals war der Markt noch nicht ganz so international wie heute und der SC hatte sich bezüglich eines Innenverteidigers ähnlich geäußert, wie jetzt. „Wir haben einen Kandidaten fest an der Angel.“ Damals habe ich geschaut, wer eventuell auf dem Markt war und landete über ein Ausschlussverfahren zuletzt bei Marco Kurz und Axel Sundermann. Marco, der später zu Dortmund wechselte verriet mir, unter der Bedingung, dass ich das nirgendwo kundtue und nur intern für meine weitere Recherche benutze, dass er nicht nach Freiburg wechseln werde. Also blieb Axel. Ich rief ihn an, sagte, ich wüsste, dass er zum SC wechsele und Axel, die ehrliche Haut, gab es zu und gab mir auch gleich den O-Ton fürs Radio. Legendär sind die Folgen gewesen. Ich verkaufte die News an dpa & Co. und das Sportfernsehen meldete dann abends auch den bevorstehenden Transfer – mit Foto von Axel, wie das so geht. Axels Frau, Kerstin, hatte gerade den Sohnemann Luca zur Welt gebracht und brach in Tränen aus, weil das theoretisch Besprochene plötzlich so real war. Vielleicht hatte Axel ihr auch noch nicht von der endgültigen Einigung mit dem SC berichtet – keine Ahnung. Auf jeden Fall ist das fast 25 Jahre her und wir sind noch immer befreundet. (Die Geschichte habe ich ab und an schon mal erzählt, aber hier passt sie wieder mal hin).

So weit also mein Statement zu der Frage, ob es heikel sei, Christian Streich direkt auf einen möglichen Neuzugang anzusprechen. In diesem Fall denke ich, nein.

 

Nach dem Spiel traf ich noch Paddy Hiller, einen ex-Kollegen von baden.fm, der jetzt wieder in seiner Heimatstadt Berlin lebt und arbeitet. Mit meinem bräsigen Peugeot 5008 fuhren wir zum Savigny-Platz wo wir etwas zu Abend aßen und über alte Zeiten plauderten. Ein großes „Hallo“ gab es, als ich einige bekannte Gesichter aus Bad Krozingen erkannte, Ortsprominenz, wenn man so will. Dann fuhr Paddy mit der S-Bahn heim nach Spandau und ich mit dem Peugeot Richtung Schönefeld. „Außer Spesen, nix gewesen“ – 2:1 verloren.

 

Zum Schluss: Ganz am Ende meines Tagebucheintrags muss ich noch von „Facebook live“ erzählen. Das ist eine neue Funktion, mit der man quasi via Video live bei Facebook auftreten kann. Das habe ich am Samstag mal ausprobiert und mit dem dekorativen Olympiastadion im Rücken ein bisschen Werbung für die bevorstehende Radioshow gemacht. Bis heute wurde das Filmchen etwa 1,5 tausend mal aufgerufen und weit über 100 mal „geliked“. Ich denke, diesen Gruß an die SC-Fans daheim baue ich weiter aus. Daran lässt sich feilen.

In diesem Sinne, bis demnächst… hier, bei WZO, Facebook oder im Radio.