< 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen SV Werder Bremen
23.02.2018 10:42 Alter: 215 days

24. Spieltag der Fußball-Bundesliga, TSG 1899 Hoffenheim gegen SC Freiburg

Samstag, 24. Februar 2018, 15.30 Uhr Wirsol Rhein Neckar Arena, Sinsheim TSG 1899 Hoffenheim - SC Freiburg


Das Vorspiel

Freiburg in Hoffenheim… Genauer gesagt, in Sinsheim an der Autobahn, vor den Toren des dörflichen Ortsteils Hoffenheim. Vor Beginn der PK von Christian Streich stellte ich, verpeilter Weise, die Frage in den Raum, ob der SC da eigentlich schon einmal gewonnen habe… Ich hatte überlegt – als noch auf dem Dorfsportplatz  in Hoffenheim gekickt wurde, damals, als die TSG mit der Kohle von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp und mit Ralf Rangnick auf der Bank in der 2. Liga gegen unsere Jungs gekickt hatte, war dort kein Erfolg gelungen. Und im neuen Stadion… hatte ich weiter überlegt, mittendrin meine nicht ganz so clevere Frage in den Raum gestellt und noch bevor ich die verschiedenen Jahre gedanklich abgescannt hatte, lachte die Kollegin Daniela Frahm und meinte, „klar, damals also Du so ausgerastet bist“ – und schon war mir der Bock klar, den ich gerade geschossen hatte. Logisch! November 2010, Papiss Demba Cissé trifft in der Nachspielzeit, Rischmüller dreht durch am Mikrofon (Klickst Du bei google: Reporter rastet aus) und der Sportclub gewinnt mit 0:1… Da hätte ich in der Tat auch selber draufkommen können.

Es war übrigens bis heute der einzige SC-Sieg beim so ungleichen badischen Rivalen im Kraichgau. Bei baden.fm habe ich heute Morgen im SC-Talk mit Moderator Lennart daran erinnert, dass die „sieben mageren Jahre“ für Freiburg in Hoffenheim ja nun abgelaufen seien – also rein kalendarisch – und dass es jetzt mal wieder an der Zeit wäre, in Sinsheim/Hoffenheim auszurasten…

Es ist Freitagmorgen und ich weiß noch gar nicht, wie ich das Auswärtsspiel des 24. Spieltags reisetechnisch abwickele. In meiner schon häufig besuchten Pension, Gästehaus Rath in Rohrbach, habe ich eigentlich ein Zimmer für heute Abend reserviert. Jetzt hat sich aber meine erwachsene Tochter Caroline, die in Frankfurt lebt, für heute Abend in Bad Krozingen zu Besuch angesagt. Außerdem kickt Arminia um 18.30 Uhr bei Sky gegen Dresden und das Kellerderby Mainz gegen Wolfsburg läuft um 20.30 Uhr auf dem Eurosport-Player. Um wirklich alles unter einen Hut zu bringen, also Tochter und beide Spiele sehen, sollte ich die Übernachtung vielleicht verschieben und lieber nach dem Spiel vor Ort bleiben. Da ich per Telefon niemanden erreiche, habe ich jetzt mal per E-Mail angefragt, ob die Umbuchung problemlos realisierbar ist. Ich warte noch auf die Antwort.

Jetzt werden einige sagen, Sinsheim sei doch nicht so weit und da könne man doch locker am Spieltag hin- und auch wieder zurückfahren. Stimmt. Wenn man das will. Dann hätte ich aber – den üblichen Rückfahrstau auf der A6 einberechnet - neben den drei Stunden hochkonzentrierter Arbeitszeit im Stadion noch insgesamt etwa fünf Stunden auf der Autobahn, was in Summe einen Achtstunden-Arbeitstag ausmacht, am Samstag, also am Wochenende und Montag ruft ja wieder der Arbeitsalltag im Verlag. Auf Stress habe ich keinen Bock. Deshalb möchte ich aus einer Auswärtsreise grundsätzlich keinen Kraftakt machen, sondern die Belastung so niedrig wie möglich halten. Gerade nach den Spielen bin ich immer ziemlich platt, weshalb mir die neu angedachte Lösung für Hoffenheim, also die mit der Übernachtung von Samstag auf Sonntag, bei näherer Betrachtung immer sympathischer wird.

Und sportlich?

Natürlich ist Hoffenheim individuell besser besetzt als der SC, keine Frage. Es läuft aber, vor dem Hintergrund der eigenen Ansprüche, nicht wirklich rund bei den Kraichgauern, genaugenommen seit der Hinspielniederlage in Freiburg. Also wenn der SC mich mal wieder in Sinsheim/Hoffenheim zum Ausrasten bringen will, dann wäre die Gelegenheit in dieser Phase der Saison 17/18 recht günstig. Und nach dem Spiel wäre der SC dann punktgleich mit "Hoffe". Wenn nicht wieder – wie neulich in Hannover – drei oder vier unserer Kicker mit schlechter Tagesform auflaufen, ist vielleicht tatsächlich etwas drin bei "Jungmillionär" Oli Baumann und seinen hoch bezahlten Vorderleuten. Ich persönlich rechne beim SC mit derselben Startelf wie zuletzt im Heimspiel gegen Werder Bremen. Das würde bedeuten, hinten mit Viererkette und auch mit vier Offensiven (Haberer, Höler, Petersen, Terrazzino). Wenn jetzt „Chico“ Höfler nach der langen Verletzung (Rücken) und dem Infekt, der den Strategen im defensiven Mittelfeld letzte Woche aus dem Rennen genommen hatte, wirklich fit wäre, wird Christian Streich nicht auf ihn verzichten wollen (Höfler sollte ja vom Plan her eigentlich schon letzte Woche gegen Bremen in der Startelf stehen - bis am Samstagmorgen die Krankmeldung kam). Ist er also fit, würde Höfler neben den formstarken Amir Abrashi auf die Doppelsechs rücken und Robin Koch könnte als mittleres Glied einer Dreier/Fünferkette eine Reihe zurückgehen. Das bedeutet, das Spielsystem würde sich ändern und einer der vier Offensiven müsste weichen. Mutmaßlich Marco Terrazzino oder Lucas Höler. Ich vermute mal, „Chico“ ist noch nicht wieder ganz bei Kräften und es bleibt bei der (erfolgreichen) Elf von letzter Woche…

Eine Rückkehr auf die Bank könnte Yoric Ravé feiern, der nach überstandener Verletzung seit einigen Tagen wieder im Mannschaftstraining ist. Auch Mike Frantz trainiert wieder, dürfte aber für einen Einsatz wegen der mehrmonatigen Pause noch nicht wieder in Frage kommen. Jetzt schauen wir mal - ich bin eigentlich ganz zuversichtlich für morgen...

Bingo! Soeben kam die Bestätigung aus Sinsheim-Rohrbach – die Umbuchung ist kein Problem. Ich fahre also erst morgen Vormittag nach Sinsheim, beziehe in der Mittagszeit mein Zimmer und fahre dann zum Stadion. Nach dem Spiel – hoffentlich einem Sieg … - schaue ich mir ganz entspannt, im Presseraum oder einer Sportsbar, das Nordderby Werder gegen den HSV an und komme am Sonntagmorgen ausgeruht zurück nach Bad Krozingen. Alles gut…

 

Das Fußballspiel

(Mein 898. SC-Livespiel)

Am Ende stand ein 1:1 – ein Auswärtspunkt aus Hoffenheim respektive Sinsheim, der, bezogen auf das Offensivspiel des SC Freiburg mehr als optimal ist; in einem Spiel, in dem der SC keine herausgespielte Torchance verzeichnen konnte, gerät er durch einen Freistoß in Rückstand und holt einen Punkt, weil Nils Petersen einen Elfmeter herausholte und dann auch noch höchst persönlich verwandelte.

Wie von mir vermutet war der SC bei Hoffe mit derselben Startelf angetreten wie gegen Bremen – und auch mit demselben Spielsystem 4-4-2 und kollektiv gut funktionierender Abwehrarbeit. Am Ende hatte auch Hoffenheim kaum Tormöglichkeiten und es war bezeichnend, dass auch der Treffer der Hausherren vor gut 30.000 Zuschauern - 3.000 davon aus Südbaden, der Rest begann früh zu pfeifen – aus einer Standardsituation resultierte.-

Zum Spielfilm:  Das Spiel passierte überwiegend zwischen den Strafräumen – es war Rasenschach auf hohem taktischen Niveau. Ein genialer Vorstoß des besten Hoffenheimers, Serge Gnabry, leitete die erste wirklich erwähnenswerte Torchance ein. Der Leihspieler vom FC Bayern dribbelte sich mittels einer sehenswerten Einzelleistung über die linke Seite genial durch, kam tatsächlich bis zur Grundlinie und passte den Ball schulmäßig in die Mitte, zum einschussbereiten Dennis Geiger. Dessen Abschluss – normaler Weise eine sogenannte Hundertprozentige – wurde von Alexander Schwolow bravourös gehalten. Diese erste wirklich aufregende Szene passierte in der 42. Minute… Torlos ging es bei kühlen Temperaturen in die Kabine. Es war so frisch, dass auch ich in den Stadionkatakomben verschwand und mir im Presseraum einen heißen Milchkaffee gönnte. Beim Schlangestehen tauschte ich mich mit dem einen oder anderen Kollegen aus: Die Meinungen waren alle gleich – Freiburg verteidigt richtig gut, Hoffenheim fällt nichts ein; hier könnte etwas gehen für den Sportclub.

Zwölf Minuten nach Wiederbeginn sah es plötzlich nicht mehr danach aus… Kramaric hatte einen direkten Freistoß über die Abwehrmauer hinweg ins Tor gezirkelt. 1:0 für Hoffe… Die Abwehrmauer des SC wirkte nicht ganz auf der Höhe. Amir Abrashi hatte eine Lücke zwischen sich und Nils Petersen gelassen, durch die der Ball – allerdings recht hoch – hindurchflog. Ehrlicher Weise muss man sagen, Abrashi wäre, hätte er optimal gestanden, trotzdem nicht an den Ball gekommen. In jedem Fall lag der SC jetzt hinten und man musst sich schon fragen, wie es, angesichts der Flaute im Angriffsspiel, zum Ausgleich kommen könnte. Chrisdtian Streich schickt Florian Kath für den an alter Wirkungsstätte enttäuschenden Marco Terrazzino - es war mal wieder der „Auswärts-Terrazzino“ - auf den

Platz, um das Angriffsspiel anzukurbeln. Jetzt läuft Kath ja eigentlich als „Talent“, nicht unbedingt als einer, der ein Auswärtsspiel noch umbiegt. Und doch half er kräftig mit: In der 66. Minute spielte Florian Kath einen richtig guten Pass in den Lauf von Nils Petersen, der dann im Strafraum, aufgrund der Position ziemlich unnötig aber doch eindeutig, von Kevin Vogt gefoult wurde. Anders als beim zweiten Elfer gegen Bremen hatte Nils aber keine Schmerzen und keinen Krampf, sondern schnappte sich die Kugel und verwandelte den Elfmeter souverän zum 1:1.

Ein, zwei gute Szenen von Gnabry gab es noch zu überstehen, von denen die gefährlichste kurz vor dem Ende sehr stark von Manuel Gulde abgelaufen wurde, dann war Abpfiff. Die SC-Fans feierten ihre Lieblinge und den willkommenen Auswärtspunkt, die Hoffenheim-Anhänger waren entweder schon gegangen, verschwanden jetzt schnell und stickum oder pfiffen ihre Mannschaft aus, wie schon sehr früh in dieser Partie. Oli Baumann und Co. verzichteten daher auf den Gang in die Kurve, was die Unmutsäußerungen noch lauter werden ließ. Hoffenheim halt.

 

Das Nachspiel

 

Als Interviewpartner hatte ich noch vor der PK die beiden Außenverteidiger Christian Günter und Pascal Stenzel am Mikrofon. In der anschließenden Pressekonferenz stellte Julian Nagelsmann die Frage in den Raum, was denn eigentlich bei den Mannschaften passierte, die auf Platz 10 oder schlechter ständen, wenn bei Platz 9 bereits gepfiffen würde. Seine fantasievollen Überlegungen gingen bis zum Bus kaputt machen… Das war schon etwas skurril.

Statement und Interview mit Christian Streich verliefen ähnlich wie in den Wochen zuvor – die Spiele ähneln sich ja auch. Defensiv steht der SC Klasse, alle wirken dabei mit, nach vorne geht relativ wenig.

Ich beeilte mich, um in einer Sportsbar das Nordderby verfolgen zu können. Ich aß noch eine Kleinigkeit und verbrachte die Nacht in meiner Stammpension. Es war kalt. Gegen vier wachte ich auf und hatte eine verstopfte Nase. Sowas hasse ich. Vor allem, wenn ich den Nasenspray habe aber eben nicht bei mir… Egal – ich zog eine Jogginghose über und schlurfte in Badelatschen und T-Shirt in die eiskalte Nacht hinaus, holte den Spray aus meinem Ford und shootete mir die Nase frei. Danach schlief ich wie ein junger Gott, bis mich der Wecker gegen 8.30 Uhr zum Frühstück rief.

Um halb zwölf etwa war ich wieder in Bad Krozingen. Der Rest des Wochenendes fand auf dem Sofa statt.

 

Haute, also Montagmorgen, verfasste ich wieder als Erstes meine Zeitungskolumne und – in etwas kompakterer Form – einen Text für den nächsten Business-Newsletter, den der SC vor dem Bayern-Spiel an seine Sponsoren schickt. Hier mein Text:

 

Durch das 1:1 bei der TSG Hoffenheim baute unser SC Freiburg seinen Sicherheitsabstand zu den direkten Abstiegsplätzen 17 und 18 auf zwölf Punkte aus. Das Polster auf den Relegationsplatz 16 beträgt nach wie vor fünf Zähler.  Das ist eine bemerkenswert gute Zwischenbilanz, denn das extreme Verletzungspech - anfangs im Abwehrbereich, später in den offensiveren Mannschaftsteilen - lässt ein so gutes Abschneiden zunächst einmal nicht vermuten. Entscheidend war, dass es Christian Streich und seinen Mitstreitern im Trainerteam gelungen ist, aus der Not eine Tugend zu machen.  Sie entwickelten, unter Einbeziehung aller Mannschaftsteile, eine Defensivorganisation, die immer besser funktionierte und von Woche zu Woche mehr Stabilität brachte. Nur so konnte dem SC das Kunststück gelingen, nur eines seiner letzten zwölf Bundesligaspiele zu verlieren. 

 

Dieser Husarenritt war möglich, weil auch die Spieler aus der vordersten Reihe unglaublich viel Energie in das sogenannte Spiel gegen den Ball investieren. Für besondere Kunststücke im Spiel nach vorne, fehlen dann häufig ein paar „Körner“. Die Folge ist, dass der SC dem Gegner kaum Tormöglichkeiten gönnt und die meisten seiner eigenen Tore, wie gegen Bremen und in Sinsheim, nach Standardsituationen erzielt. Ja, es stimmt, der SC trifft nur selten aus dem Spiel heraus. Stolze 29 Punkte nach 24 Saisonspielen trösten aber darüber hinweg. Aus den einstigen Breisgau-Brasilianern sind, dem Zwang der Umstände folgend,  Breisgau-Eichhörnchen geworden, um eine Wortschöpfung von Sportvorstand Jochen Saier zu übernehmen. Breisgau-Eichhörnchen, die fleißig Punkte sammeln…

 

Das ist umso bemerkenswerter. Wenn man bedenkt, dass sechs der sieben bisher absolvierten Rückrundenspiele gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte stattfanden. Jetzt steht mit dem FC Bayern München der nächste Hochkaräter vor der Tür. Auch am Sonntag ab 18 Uhr wird der SC wohl vornehmlich seine Stärke im Spiel gegen den Ball in die Waagschale werfen. Vielleicht kann das „Breisgau-Eichhörnchen“ ja sogar gegen den Top-Favoriten ein Bonuspünktchen einsammeln. Unmöglich scheint das nicht. Ein Sieg…, na, wir wollen nicht anfangen zu träumen.

 

Wenn in Kürze im Wochenrhythmus Spiele gegen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte anstehen, kehren mit den Rekonvaleszenten „Chico“ Höfler, Mike Frantz und Yoric Ravet mutmaßlich Spieler in die Startelf zurück, die für mehr Ballsicherheit, exaktere Pässe im Aufbau und höhere Spielkunst stehen. Das klingt nach einem guten Plan … (Zitatende)

 

So, Freunde, ich melde mich rechtzeitig vor dem Kick gegen die Bayern! Bis dahin eine gute Zeit!