< 2. Hauptrunde im DFB-Pokal, Holstein Kiel gegen SC Freiburg
08.11.2018 15:58 Alter: 37 days

Englische Woche und 11. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen FSV Mainz 05

Herbst 2018 * Kiel, Bayern und Mainz * Nächstes Spiel: SC Freiburg - Mainz 05 *


Nach Kiel und Bayern – vor Mainz

 

Englische Wochen sind tagebuchtechnisch nicht händelbar. Sorry, geht einfach nicht. In den letzten Wochen war ich im Verlag so sehr gefordert, dass tatsächlich keine Minute nebenher blieb, um mich meinen freigeistigen Tagebucheinträgen zum Thema SC-Spiele zu widmen. Heute, Donnerstag, 8. November, finde ich jetzt mal ein Zeitfenster und nutze die Chance. Zuvor habe ich nachgeprüft, wo ich denn zuletzt stehen geblieben war – ah ja, nach dem „Vorspiel“ zu Kiel.

 

Ein kurzer Rückblick sei mir, trotz der Niederlage, erlaubt. Natürlich war es ein großer Kraftakt, Kiel und im Anschluss dann München mit dem Pkw abzuwickeln. Wir waren, wie geplant am Dienstagnachmittag mit der ganzen Familie nach Bielefeld gereist. Nach dem obligatorischen Besuch im Kult-Café Knigge am nächsten Vormittag, mit Kindern, Frau und Mutter im Schlepptau, ließ ich die Familie zurück in meiner alten Heimat und fuhr Richtung Kiel. Mit dem Auto war es mein erster Besuch dort. Ich erinnerte mich lebhaft an eine Bahnreise anno 1998, als ich dort eine Art Vorstellungsgespräch im Funkhaus des Nord-Ostsee-Radios, kurz Radio NORA, einem landesweiten Sender in Schleswig-Holstein, hatte, der mir die Stelle des CvD (Chef vom Dienst) angetragen hatte. Stattdessen wurde ich dann Chefredakteur von Antenne Südbaden, dem heutigen baden.fm. Meine Entscheidung gegen den Umzug in den hohen Norden war garantiert richtig. Als ich am letzten Mittwoch Hamburg hinter mir gelassen hatte und immer noch Richtung Norden fuhr, durch plattes Land mit Städten wie Neumünster und so – also Orte, wo die Wehrpflichtigen aus meiner ostwestfälischen Heimat meist stationiert wurden und die mir deshalb als Jugendlichem seiner Zeit wenig sympathisch waren. Als ich also durch diese karge Landschaft hindurchdüste, Richtung Norden und dann immer geradeaus, dachte ich nur „mein Gott, wie gut, dass dieser Kelch an mir vorrübergegangen ist“ und „wie schön ist es doch bei uns zwischen im Schwarzwald und Rhein“.

Kiel selbst ist ganz nett und – wenn man das nicht so kennt – richtig exotisch; etwa die große Schweden-Fähre gleich um die Ecke bei meinem Hotel. Apropos Hotel: Ich wohnte in einem Haus mitten in der Stadt und dieses war fest in „Freiburger Hand“, wie man so schön sagt. Als Nils Petersen in der ersten Minute das 0:1 gelang, passte alles – viele Schlachtenbummler, ein idealer Start, die Jungs würden das schon wuppen. Aber Pustekuchen: Statt die objektiv vorhandene spielerische Überlegenheit mit der Führung im Rücken auszuspielen, schenkte der SC die erste Halbzeit quasi her, ließ Holstein Kiel ins Spiel kommen und kassierte in der 26. Minute, nach einem Eckball, das 1:1. Müßig, darüber zu grübeln, dass der Kieler Angriff, der dem Eckball vorausging, eigentlich gar nicht hätte stattfinden dürfen, weil es Eckstoß für Freiburg hätte geben müssen, Schiri Sören Storks aber auf Abstoß entschieden hatte.

Die fehlende Entschlossenheit, dem Gegner nach dem frühen 0:1 den Schneid abzukaufen und für eine frühe Vorentscheidung zu sorgen, sollte ein teures Fehlverhalten der Schwarzwald-Profis werden. In der zweiten Halbzeit stimmten zwar, Einstellung, Gangart und Überlegenheit des Erstligisten – es fehlte aber die Effizienz, eine oder zwei der zahlreichen Einschussmöglichkeiten zu verwerten. Hinzu kam ein von Schiri Storks nicht gegebener Elfmeter für den SC, als Waldschmidt gleich nach Wiederbeginn von den Beinen geholt worden war. (Ich denke, dass Sören Storks seine Fehler wieder gut gemacht hat, als er drei Tage später, beim Bayern-Spiel, als Videoassistent in Köln am Bildschirm saß)

 Und dann kam es, wie es im Pokal halt kommt: Koch, ansonsten sehr zuverlässig, rutscht in der 79. Minute beim Versuch, eine Kieler Kombination zu stoppen aus und blitzschnell waren die Störche zur Stelle – machten das viel umjubelte 2:1 für den Außenseiter und der SC war raus aus dem Pokal. Obendrein verletzte sich auch noch Petersen in Kiel, was aber beim Interview in den Katakomben des Holstein-Stadions noch gar nicht absehbar war.

Mit meinem hundertprozentigen Namensvetter aus Lübeck, übrigens eingeschriebenes Mitglied beim SC, und einem seiner Kumpel, einem Schalke-Fan, trank ich noch ein Gläschen in der Hotelbar, im zehnten Stock, über den Dächern der Stadt Kiel. Ich war aber sehr müde – von der vielen Arbeit, von den vielen Kilometern und vermutlich auch von der Grippeimpfung, die ich ein paar Tage vorher bekommen hatte. Am Spieltag in Kiel war ich leicht angeschossen… Deshalb wurde es bei mir nicht spät, obwohl die ganze Hotelbar voll mit SC-Fans war.

 Am nächsten Morgen ging es mir spürbar besser und ich machte mich auf die megalange Fahrt von Kiel über Bielefeld – Familie einpacken – bis nach Bad Krozingen; um am nächsten Tag gleich weiter nach München zu fahren…

 

FC Bayern München gegen SC Freiburg

Am späten Freitagnachmittag düste ich nach einem normalen Arbeitstag in der WZO-Redaktion, über die Bodensee-Strecke nach München, gönnte mir vor Ort noch einen Edelitaliener (Ca’D’Oro – sehr zu empfehlen) und ein paar Absacker in einer Bar unterhalb meines Hotels. Entspannung nach arbeitsreichen Wochen sozusagen. Am Samstagmorgen ging es gerade weiter so. Ich schlief lange, wähle mit Bedacht das blaue hummel-Oberteil, besuchte dann einen Friseur, der mich oben rum wieder schick machte und gönnte mir einen „Kaffee to go“.  Das Malheur – es sollte zum Glück das Einzige des Tages bleiben – passierte beim Öffnen des Milch-Portionsschälchens: Ein schäbiger langer Fleck auf dem blauen Sweatshirt. „Über den Auftritt würde sich weder hummel noch baden.fm freuen, dachte ich, lief nochmal ins Hotelzimmer und wechselte von blauem Sweaty auf ein rotes Jäckchen. Klar kam noch der schwarze Parka drüber aber trotzdem – mit Fleck im Oberteil, das geht ja gar nicht. Zumal es in München eine große und gut besuchte Presselounge mit Essen, Trinken und vielen Kontakten gibt und ich auch in der PK und bei den Interviews in der Mixedzone den Parka meistens ablege. All das wog ich ab bei der Frage, ob ich nochmal zum Hotel laufe und die Kleider wechsele oder nicht. Ich tat es, wie gesagt, leicht angesäuert wegen dieser doofen Milch.

In München, beim FC Bayern und in der Allianz-Arena läuft eigentlich technisch und organisatorisch immer alles sehr gut ab. Zurzeit ist sportlich offenbar etwas der Wurm drin – technisch aber auch. An meinem Arbeitsplatz auf der Pressetribüne funktionierte die LAN-Verbindung nicht. Trotz aller Bemühungen der Telekom bekam ich mit dem mitgebrachten sogenannten Musiktaxi keine Verbindung hin. Obwohl ich darauf hinwies, dass das Gerät drei Tage zuvor in Kiel bestens funktioniert hatte und lediglich ausgeschaltet und in München wieder eingeschaltet worden sei, versicherten mir die Herren, das Gerät müsste defekt sein. Inzwischen wurde es gecheckt und getestet – alles in Ordnung. In München liegt der technische Hase im Pfeffer – aber egal. Ich musste für das Gastspiel des SC auf die 1B-Lösung zurückgreifen: Stream mittels einer Spezialapp auf meinem iPhone. Im Ergebnis ist das im Prinzip gleichwertig, wenn das WLan-Netz robust genug ist. In München war das bedingt der Fall. Während des Spiels in der Regel ja – vorher und in der Halbzeit eher nein, weil dann Zehntausende Event-Fans, die es in München gibt, ihre Selfies aus der Allianzarena posten. Unter’m Strich hat alles geklappt, wenn man mal davon absieht, dass ich das System in der 89. Minute überfordert habe, als Lucas Höler das Tor zum Ausgleich erzielte. Ich habe so dermaßen laut „Tor“ geschrien, dass die Verbindung ins world-wide-web über die wir die Übertragungen streamen für zwei Sekunden ins Stottern kam. Dann ging es aber wieder. Eine Facebook-Freundin bedankte sich später für den „Gänsehaut-Moment“, weshalb es so schlimm ja nicht gewesen sein kann.

Cool waren die Interviews mit Schwoli und Lucas Höler in der Mixedzone – also die Antworten der Jungs waren cool. Nach mehr als 21 Jahren hatte der SC Freiburg mal wieder etwas aus München mitgebracht. Und das kam so:

Mein 920. SC-Livespiel im Radio begann wie so viele andere in München in den 25 Jahren zuvor. Bayern machte Druck ohne Ende und ich bekam Sorgen um den gerade im Pokal von Kiel gedemütigten SC… Das bayrische Feuer wehrte aber nur 12, vielleicht 15 Minuten. Dann hatte der Sport-Club seinen anfänglich etwas zu großen Respekt vor dem Rekordmeister und seinen millionenschweren Stars abgelegt und hielt dagegen. Natürlich blieb es eine Abwehrschlacht mit deutlich mehr Spielanteilen bei den Bayern aber Freiburg brauchte keine Zufälle, sondern stellte sichtaktisch herausragend organisiert der sportlichen Übermacht entgegen. Nach 45 Minuten hatte ich zwei Torchancen von Bayern München auf dem Zettel: Einmal blieb Schwolow im Eins gegen Eins Sieger über den von links einlaufenden Lewandowski und einmal parierte Freiburgs Keeper einen Seitfallzieher von Robben. Das Abwehren des Schusses war das Eine, ihn in die richtige Richtung abzuwehren, wo eben kein anderer Bayernangreifer zum Einschuss bereitstand, war das Andere. Schwoli bestand die Prüfung glänzend; 0:0 zur Pause.

Nach dem Wechsel suchte der Sport-Club sein Heil verstärkt auch in eigenen Angriffen. Das brachte vor allem Entlastung für die an diesem Tag besonders gestresste Defensivabteilung – Chancen für den SC blieben höchst rar. Irgendwann bekam ich das Gefühl, es könnte reichen für ein 0:0 – wie damals, als Klinsmann in die Tonne trat, im Mai 1997 – die Defensivtaktik mit den gelegentlichen Nadelstichen machte mir richtig Spaß. Erstmals seit Jahren konnte ich bei einem Auswärtsspiel in München richtig mitfiebern und Spaß an meinem Job haben.

Dann kam jedoch der Alleingang von Serge Gnabry, elf Minuten vor ultimo, das etwas zögerliche Eingreifen von „Chicco“ Höfler, der mir zuvor als großer Stratege positiv aufgefallen war und schon stand es 1:0 für den Topfavoriten. Bis zur 89. Minute… Flanke Günter, Höler und Tor, Tor, Tor… die Technik gab sekundenlang den Geist auf. Ich konnte es nicht fassen! 1:1 kurz vor Schluss (dachte ich) – wie großartig und wie verdient an diesem Tage. Dann gab es doch tatsächlich fünf Minuten Nachspielzeit – aber auch das ging gut. Am Ende stand der Bonuspunkt aus München.

Zwei Mal hatte der Videoassistent Sören Storks aus Köln eingegriffen. Einmal, indem er nicht eingriff. Als Bayern Handelfmeter forderte entschied Felix Zwayer nach Austausch mit Köln und in Augenscheinnahme der Fernsehbilder, dass kein strafbares Handspiel vorlag. Da bin ich zu hundert Prozent bei ihm. Das war nicht einmal eine 50:50-Entscheidung. Das war am Ende einfach richtig entschieden.

Dann gab es noch Zoff um einen Strafraumsturz von Ribéry. Es gab zwar einen leichten Kontakt, der Franzose hatte aber schon vorher zum (betrügerischen) Sturz abgehoben – den Elfer bekam er von Zwayer nicht und Storks in Köln blieb stumm. Das war eine 50:50-Entscheidung, meine ich. Und vielleicht hätte der Videoassistent auf Elfmeter für München gedrängt, hätte er die Freiburger nicht drei Tage zuvor in Kiel in zwei Situationen entscheidend benachteiligt (s.o.).

 

Bei Facebook postete ich „Mein Job nach dem Job: FEIERN!!!“ und bekam rund 150 Likes. Wenn ich ehrlich bin, fiel die Feier relativ bescheiden aus. Also schön aber klein: Ich holte mir aus dem Hotzelfoyer eine Flache Weißbier und eine Cola, mischte es zu einem schmackhaften Cola-Weizen, rief Prost auf den SC und trank das Glas leer. Danach war, irgendwann zwischen 21 Uhr und 22 Uhr Schicht im Schacht. Ich war dermaßen müde von den zurückliegenden Tagen, Wochen und Kilometern, dass ich die Augen nicht mehr offenhalten konnte. Ich schlief und kehrte am Sonntagvormittag – voll fit – zurück nach Südbaden.

 

Und jetzt Mainz…

Zwischen München und Mainz erschien meine Kolumne „SC INTEAM“ in den Wochenzeitungen am Oberrhein. Hier ist sie, vor allem für alle Auswärtigen:

 

SC INTEAM

Wenn die Sonne freundlich lacht, die Temperaturen angenehm sind, wenn Herbst und nahender Winter im zehnten Monat des Jahres scheinbar noch sehr weit weg sind, die Blätter hier und da aber bereits eine andere Farbe annehmen, dann spricht man im Volksmund von einem goldenen Oktober. Im übertragenen Sinne ist der Oktober golden, wenn er  besonders erfolgreich verläuft. Der Sport-Club Freiburg hatte in diesem Jahr einen goldenen Oktober. Wer nach dem schwachen Auftritt und der 4:1-Niederlage, Ende September in Augsburg prognostiziert hätte, dass der SC in den nachfolgenden vier Spielen gegen Leverkusen, in Berlin, gegen Mönchengladbach und bei Bayern München ungeschlagen bleiben würde, wäre wohl ausgelacht worden. Immerhin gehörten drei der vier Gegner zur absoluten Spitzengruppe der Bundesliga. Für Bayern und Mönchengladbach gilt das – trotz der Punktverluste gegen Freiburg – auch heute noch, Hertha hat etwas an Boden verloren. Trotz der hochkarätigen Gegner wurde es für die „Mentalitätsmonster“ aus dem Schwarzwald ein goldener Oktober: Torlos gegen Leverkusen, 1:1 in Berlin, der grandiose 3:1-Sieg gegen Mönchengladbach und schließlich das verdiente 1:1 beim Rekordmeister FC Bayern (wenn auch schon Anfang November); das erste Saisondrittel ist (knapp)  gespielt. Der SC hat bis zur Winterpause noch drei Spiele gegen Mannschaften die vor ihm platziert sind (Dortmund, Leipzig und Bremen) und noch vier Spiele gegen Teams, die bislang weniger erfolgreich waren als die Freiburger (Mainz, Nürnberg, Hannover und Düsseldorf). Die Aussichten, sich bis Weihnachten ein Punktepolster zuzulegen, das mit Blick auf das Saisonziel Klassenerhalt eine gewisse Beruhigung ausstrahlt, sind gut. Schafft es der Sport-Club, seinen bisherigen Schnitt von statistisch 1,3 Punkten pro Spiel beizubehalten, könnte er mit 22 Zählern in die Winterpause gehen – das wäre eine großartige Zwischenbilanz. Es ist allerdings auch klar: Wer Mönchengladbach schlägt und bei Bayern Remis spielt, hat noch lange nicht gegen Mainz, Nürnberg oder Hannover gewonnen. Oder in Kiel, wie man schmerzlich erfahren hat. Jedes einzelne Spiel ist eine enorme Herausforderung für die Mannschaft. Dass diese in München mit dem „zweiten Sturm“ teilreüssierte, ist ein weiterer Hinweis auf die Breite, in der der SC anno 18/19 gewachsen ist. Egal wer spielt, der SC ist in der Bundesliga immer wettbewerbsfähig. 

Ein Wort noch zu Lucas Höler: Der frühere Sandhausener, der erst 2016 zum (Zweitliga-)Profi avancierte, war am neunten Spieltag durch sein 45-Meter-Tor gegen Gladbach in aller Munde. Am zehnten Spieltag war er mit seinem Treffer in der 89. Minute der „Held von München“. Vergessen ist der Tiefpunkt von Hoffenheim. Höler geht den Freiburger Weg. Weiter so! (Zitatende)

 

Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz fordert von seiner Mannschaft in Freiburg zu allererst Fleiß, dann Galligkeit und erst an dritter Stelle spielerische Qualität. So hat er es auf der Pressekonferenz verkündet, die auf Facebook veröffentlicht wurde. Ein besonders schönes Fußballspiel wird es dann wohl nicht werden, fürchte ich. Klar, der Mann will der legendären Freiburger Laufstärke beikommen – im Grunde beschreibt er Qualitäten, die den Sport-Club ein Stück weit beschreiben – Fleiß, Galligkeit, da ist aber auch spielerische Raffinesse, die Christian Streich vermutlich nicht hinten dran stellen würde. Auf die Frage, woran es läge, dass man als Beobachter gar nicht merke, dass der SC ligaweit am wenigsten Ballbesitz habe, erwiderte Streich, das läge an den Dingen, die man mit dem Ball mache, wenn man ihn habe. Das hat halt Qualität – Freiburg beherrscht qualitativ gutes Umschaltspiel. Die können gut kontern hätten wir früher gesagt.

Wenn Mainz also gallig und laufstark daherkommt, vielleicht sogar Dominanz erzeugt, dann könnte Freiburg qualitativ gut kontern. Genau das fürchtet Sandro Schwarz: „Wenn wir Dominanz schaffen und uns dadurch selbst einlullen lassen, werden uns die Kameraden überrollen…“

Also wird Freiburg gegen Mainz vielleicht doch ein gutes Spiel…

Ich übertrage SC Freiburg gegen Mainz 05 am Samstag ab 15 Uhr live bei baden.fm.

 

Das Fußballspiel SC – Mainz

Mein 921. SC-Livespiel im Radio

 

Es wird wohl doch Abstiegskampf und nicht wie einige kühne Kollegen unter der Woche träumten, womöglich ein Kampf um europäische Fleischtöpfe. Zumindest gab es gegen Mainz 05 einen gehörigen Dämpfer.

In meiner Zeitungskolumne für die WZO-Wochenzeitungen habe ich die Partie noch einmal nachgezeichnet:

SC INTEAM

Beim SC Freiburg wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Auch wenn der Sport-Club gegen Spitzenclubs wie Bayern München und Borussia Mönchengladbach überraschend ungeschlagen geblieben war, heißt die Realität „Abstiegskampf“. Der eine oder andere mediale Begleiter hatte das Heimspiel gegen Mainz 05 als Schlüsselspiel für eine womöglich rosigere Zukunft mit neuen Zielen ausgemacht. Es kam aber, wie es Skeptiker schon im Vorhinein befürchtet hatten: Gegen die Mainzer tat sich der Sport-Club einmal mehr denkbar schwer. Mit großer Wucht und einer seiner besten Saisonleistungen bot der FSV 05 dem SC anfangs so sehr Einhalt, dass die Freiburger zunächst gar nicht am  Spiel teilzunehmen schienen. Eine halbe Stunde lang spielte im Schwarzwald-Stadion nur Mainz 05. Die frühe 2:0-Führung der Gäste war das korrekte Zwischenresultat. Es folgte gutes Coaching durch Christian Streich. Der Freiburger Trainer änderte das Spielsystem und durch den Wechsel von Viererkette auf Dreier/Fünferkette die Statik des gesamten Spiels. Das änderte die „Machtverhältnisse“ auf dem Rasen – plötzlich bot auch der SC Angriffsfußball. Just zu Beginn dieser Phase verweigerte der Schiedsrichter den Platzherren einen Handelfmeter. Die Frage, wann ein Handspiel zu ahnden ist, wird in diesen Wochen in der Bundesliga viel diskutiert. Das zurzeit anerkannte „Vergehen“ ist die Vergrößerung der Körperfläche, die eindeutig vorlag als Niakhaté den Ball in der 30. Minute an den Arm bekam. In neun von zehn Fällen hätte es bei aktuellen Stand der Diskussion Elfmeter gegeben – bei Freiburg gegen Mainz lief das Spiel weiter – trotz Videoassistent... So führte Mainz auch zur Pause noch mit 2:0. Die Gäste blieben nach dem Wechsel ein starker Gegner, doch war der SC jetzt mindestens auf Augenhöhe und hatte vor allem die besseren Torchancen. Eine nutzte der eingewechselte Roland Sallai zum Anschlusstreffer, während Luca Waldschmidt nach einem tollen Solo der Abschluss misslang und Robin Koch mit einem Kopfball nur die Querlatte traf. Entscheidend war, dass der SC kurz nach dem Anschlusstreffer von Sallai das 1:3 kassiert hatte. Vorausgegangen war ein grober Fehler in der Abwehr, die den Ball nicht entschlossen  wegschlug und die Mainzer zaudernd  zum (erfolgreichen) Torschuss einlud. Die Hauptverantwortung für diesen unnötigen aber wohl entscheidenden Gegentreffer kann Nicolas Höfler zugewiesen werden, dessen persönliches Pech sich am Samstag mit einer schweren Knieverletzung (Innenbandriss) fortsetzte. Nach der Niederlage, Ende September, in Augsburg blieb der SC Freiburg vier Spiele ungeschlagen. Eine ähnlich starke Reaktion ist ihm nach der Schlappe gegen Mainz zu wünschen. Am Sonntag, 25. November, kommt Werder Bremen. (Zitatende)

 

Eine sogenannte Länderspielpause hat zu eigen, dass man sich nicht so schnell mit dem nächsten Bundesligaspieltag beschäftigt, sondern der vergangene noch etwas länger nachwirkt als sonst. Ärgerlich, wenn die Mannschaft, der man sein Herz geschenkt hat, da verloren hat. Was eindeutig hilft, ist Ablenkung; zum Beispiel durch andere Fußballevents – kleiner und unbedeutender vielleicht, aber trotzdem aufregend und mitreißend. Ich rede von den „Golden Boys“. So nenne ich die U11 des FC Bad Krozingen, in der auch mein Sohn Ben kickt, weil sie in dieser Saison ganz in Weiß spielen, mit goldenen Nummern, goldenen Namen und goldener Werbeaufschrift. Extrem edel sieht das aus.

Ich nenne die Jungs aber auch „Golden Boys“, weil sie beispiellos erfolgreich sind und, zwar - nicht immer aber ganz schön oft - richtig gut Fußball spielen.

Die Partie des vorletzten Spieltags der "E-Junioren-Kleinfeldstaffel 1" des  Fußballbezirks Freiburg, FC Auggen gegen FC Bad Krozingen, am Donnerstagabend, 15. November, riss mich zum Beispiel völlig aus der Mainz-Lethargie… Das war – ganz ehrlich – richtig gute Werbung für den Jugendfußball. Es war das Spiel des Tabellenzweiten gegen den Spitzenreiter; für Letzteren, die „Golden Boys“, also die Chance, den siebten Sieg im siebten Spiel und damit vorzeitig die Meisterschaft einzufahren. Auf dem feinen Kunstrasen in Auggen ging es mächtig zur Sache. Schnell zeigte sich, dass die Jungs aus Auggen zurecht ganz weit oben stehen und zum Beispiel in punkto Zweikampfstärke und Cleverness die Nase vorne hatten. Unsere manchmal etwas zu braven „Golden Boys“ können aber – wie bislang kein anderer in ihrer Altersklasse hier in der Gegend - kombinieren und den Ball laufen lassen. Diese beschriebenen Qualitäten prallten also aufeinander und es war irrsinnig spannend. Dass ein toller Doppelpass der Bad Krozinger Halbzeitführung vorausging, verdeutlicht noch einmal die Stärken der Jungs. Dass Krozingens Torwart den Ball zwei Mal gerade noch so an den Pfosten lenken konnte, zeigt aber auch, wie eng es war. Nach dem Treffer zum 0:2, dachte ich, jetzt könne ich ruhiger werden, aber Pustekuchen – praktisch im Gegenzug gelang den Platzherren der Anschlusstreffer. Erst in den letzten zehn Minuten ging es dann Schlag auf Schlag: 1:3, 1:4 und 1:5 – ich war völlig hingerissen und begeistert. Vergessen war die Gram über Freiburgs 1:3 gegen Mainz...

Ich machte sogar etwas, was ich zuvor noch nie getan hatte, lud die ganze Truppe anlässlich des vorzeitigen Staffelsiegs spontan zum Pizzaessen ein – es wurde eine nette Siegesfeier im Vereinslokal.

Hoffentlich legen die „Golden Boys“ jetzt nicht die Beine hoch, weil das Ziel erreicht ist, denn morgen ist ja noch der letzte Spieltag mit dem Vormittagsmatch gegen die Spvgg. 09 Buggingen-Seefelden. Da könnte die Herbstsaison für die "Golden Boys" dann abgerundet werden durch den achten Sieg im achten Spiel. Ich fiebere schon wieder dem Match entgegen…

Und sonst so? Ja, Bremen ist noch fern und ganz weit weg kündigt sich bereits das Spiel in Dortmund an. Das steigt ja am Samstag, 1. Dezember, vor über 80.000 im Signal-Iduna-Park. Ich werde das Dortmund-Spiel nutzen, um mal wieder meine Mutter in Bielefeld zu besuchen, habe mir extra den Freitag, 30. November,   im WZO-Verlag freigenommen und starte schon donnerstags Richtung alte Heimat.

Klasse finde ich, dass das Zweitligaderby Paderborn gegen Bielefeld am Freitagabend stattfindet - also am Tag vor meinem Job in Dortmund. Zum einen ist es ein sportlich sehr reizvolles Nachbarschaftsduell, zum anderen die Begegnung, mit der ich mich vor 25 Jahren als Radio-Bielefeld-Reporter verabschiedet habe, um nach Freiburg zu wechseln. Außerdem wird in dem Stadion gespielt, in dem der SC Freiburg den jüngsten Wiederaufstieg feiern durfte - schöne Ertinnerungen werden da wach. Ich verbinde den Besuch in der Benteler-Arena aber auch mit ein bisschen Arbeit, denn der vom SC Freiburg an den SC Paderborn ausgeliehene Mo Dräger ist bei den Ostwestfalen zum Stammspieler avanciert und spielt in der Zweiten Liga – genau wie sein Team – eine riesen Saison. Für die SCF-Vereinszeitung „Heimspiel“ werde ich Mo interviewen, ein aktuelles Foto machen und ihn vielleicht sogar für den „Förderverein Freiburger Fußballschule“ begeistern. Eventuell fällt ja auch noch etwas für baden.fm ab, schauen bzw. hören wir mal... Über einen Freund im Paderborner Vorstand werde ich gerade mit Mo Dräger „connectet“ , damit wir uns nach dem Spiel der Paderborner gegen Arminia irgendwo unterhalten können. Das läuft… und vorher läuft das SC-Heimspiel gegen Bremen – aber das ist dann schon wieder ein neuer Tagebucheintrag. So long!