26. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen FC Augsburg

Sonntag, 21. März 2021, 18 Uhr *

Schwarzwald-Stadion, Freiburg *

SC Freiburg - FC Augsburg *

Das Vorspiel

Augsburg kommt.

Erster Reflex: 18. Spieltag der Saison 11/12, am 21. Januar 2012; der SC stand tief im Abstiegsschlamassel, neuer Trainer war seit wenigen Wochen ein gewisser Christian Streich und der warf in diesem „Schicksalsspiel“ gegen Augsburg in der 70. Minute den A-Jugendlichen Matthias Ginter für Anton Putsila ins „Stahlbad Bundesliga“. In der 88. Minute dankte sein A-Jugend-Schützling dem Trainer für das Vertrauen mit dem Tor des Tages. Der SC gewann mit 1:0 – der Anfang einer sensationellen Aufholjagd und einer rasanten Karriere bis hin zum WM-Sieg in Brasilien.

Zweiter Reflex: 23. Spieltag der Saison 18/19, am 23. Februar 2019; der SC spielte eine super Saison und fegte den FC Augsburg mit 5:1 (3:0) vom Platz. Ein Doppelpack von Nils Petersen schon vor der Pause, dazu die Treffer von Vincenzo Grifo, Luca Waldschmidt und Florian Niederlechner. Letzterer läuft übrigens am Sonntag um 18 Uhr für den FC Augsburg auf.

Dritter und letzter Reflex: 1:1. So lautete das Standardergebnis in den letzten drei Spielen gegen die Fuggerstädter: Lucas Höler für Freiburg und Florian Niederlechner für Augsburg trafen im Heimspiel am 21. September 2019 schon vor der Pause. Am 15. Februar 2020 trafen die Kontrahenten von kommendem Sonntag in Augsburg aufeinander. Max brachte die Platzherren mit 1:0 in Führung – Janik Haberer glich in der 51. Minute zum 1:1-Endstand aus.

Das Hinspiel der laufenden Saison fand am 28. November im bayerischen Schwabenland statt. Diesmal ging der SC in der 64. Minute in Führung – Vincenzo Grifo hieß der Torschütze. Ruben Vargas glich zehn Minuten vor Schluss aus – Endstand also, ein drittes Mal in Folge, 1:1.

Und am Sonntag?

Nach zwei Niederlagen in Folge – 0:3 gegen bärenstarke Leipziger und 1:0 beim glücklichen FSV Mainz 05 – würde dem SC ein Sieg mal wieder ganz gut zu Gesicht stehen. Der Abstand nach unten ist zwar nach wie vor recht üppig und eine Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb steht nicht unbedingt auf dem Zettel mit der Saisonplanung der Freiburger, dennoch ist es spannend; beginnt doch mit dem Kick gegen Augsburg die Reihe der Spiele, in denen der SC in der Hinrunde so wahnsinnig erfolgreich war. Sieben Spiele ungeschlagen – nach den zwei Remis-Spielen in Augsburg und gegen Mönchengladbach folgten fünf Siege am Stück: Gegen Bielefeld, auf Schalke, gegen Hertha, in Hoffenheim und gegen Köln. Erst in der Münchener Allianz-Arena endete (denkbar knapp) die Erfolgsserie, bevor mit einem Remis gegen Frankfurt die erfolgreiche Hinserie abgeschlossen wurde.

Kann der SC, der aus den ersten acht Spielen der Rückrunde immerhin schon mal vier Punkte mehr holen konnte als in der Hinrunde, gegen dieselben Gegner wie im Herbst, nun im Frühling ähnlich erfolgreich auftrumpfen? Ein Sieg gegen Augsburg wäre ein idealer Start in diese sieben Spiele, die – von der Papierform her – alle machbar erscheinen.

 Hier mein Countdown zum 26. Spieltag:

Morgen früh, zwischen 6 Uhr und 7 Uhr sowie zwischen 8 Uhr und 9 Uhr gibt es den üblichen Fußballtalk mit Früh-Moderator Markus Schäfer und mir in der Morningshow von baden.fm.  Am Freitagabend kickt mein Heimatverein Arminia Bielefeld auf der heimischen Alm, die ja offiziell Schüco-Arena heißt, gegen Leipzig. Ähnlich wie vor dem Gastspiel am vergangenen Sonntag in Leverkusen, befürchte ich für meine „zweite Liebe“ in der Bundesliga ein Fiasko. Gerne lasse ich mich noch einmal von Arminia überraschen – gelang den „Blauen“ doch in der BayArena, genau wie zwei Wochen vorher dem Sport-Club, ein 1:2-Sieg beim Favoriten. Aber Leipzig ist noch einmal eine andere Nummer, fürchte ich. Das musste ja auch der SC bitter erkennen. Wie dem auch sei – das Spiel schaue ich mir natürlich bei DAZN an.

Am Samstag gibt es dann zur klassischen Anstoßzeit um 15.30 Uhr (nur) vier Spiele: Bayern gegen Stuttgart, Eintracht gegen Union, Köln gegen BVB und das Nordderby Werder gegen Wolfsburg. Samstagabend gibt es dann noch das Spät-Spiel Schalke gegen Mönchengladbach. Da wird dann (vermutlich) eine der bemerkenswerten Negativserien enden.

Auch der Sonntag bringt, vor dem Kick im Schwarzwald-Stadion, noch einmal viel TV-Fußball… Sport1-Doppelpass, dann das Mittagsspiel Hoffenheim gegen Mainz, im Radio, unter anderem auf dem Weg zum Stadion, Hertha gegen Leverkusen – dann endlich baden.fm-Bundesligashow mit SC Freiburg gegen FC Augsburg. Die Sondersendung beginnt um 17.30 Uhr, Anpfiff ist um 18 Uhr.

Ich übertrage das Bundesligaspiel SC Freiburg gegen FC Augsburg am Sonntag ab 17.30 Uhr in der baden.fm-Bundesligashow.

 

Das Fußballspiel

(Mein 1008. SC-Livespiel am Radio-Mikrofon)

 

Wie so häufig bei Spielen zwischen Freiburg und Augsburg war es kein schönes Spiel, sondern ein Kampf auf Biegen und Brechen. Der SC hatte in der Anfangsphase klare Vorteile, kam aber nicht entscheidend zum Abschluss – zweimal schrammte Augsburg nach guten Hereingaben knapp an Eigentoren vorbei. Dann fanden auch die Gäste ins Spiel, hatten eine Großchance durch Benes, der aussichtsreicher Position über das Tor schoss, dann war Halbzeitpause und es stand 0:0. Das 4-2-3-1 mit Startelfdebütant Guus Til als falsche 9 oder falsche 10, je nach Interpretation seiner Rolle, hatte sich ganz achtbar aus der Affäre gezogen, auch wenn bei allen fußballerisch noch Luft nach oben war.

In der 51. Minute hatte Kapitän Christian Günter die Faxen dicke und startete zu einem sehenswerten Sololauf. Energiegeladen umkurvte er vier, fünf Augsburger Gegenspieler, passte den Ball quer auf Roland Sallai, der reaktionsschnell abzog und die Kugel ins linke untere Eck schoss. Ein geiles Tor, das zu 50 Prozent „Günni“ gehörte.

Die Freiburger Führung wirkte wie ein Weckruf für die Gäste, die in der Folgezeit gute Chancen hatte aber jedesmal an dem glänzend reagierenden Florian Müller im SC-Tor scheiterten. Der Sieg war längst noch nicht in trockenen Tüchern, als der SC in der 79. Minute einen direkten Freistoß zugesprochen bekam. Christian Günter – bester Mann auf dem Platz – zirkelte die Flanke vom linken Strafraumeck auf den Kopf des eingewechselten Ermedin Demirovic; der bosnische Nationalspieler traf zwar „nur“ den Pfosten, den abprallenden Ball aber beförderte Philipp Lienhart mit dem Kopf ins Netz. Der Jubel erstickte aber in derselben Sekunde, denn der Assistent an der Seitenlinie hatte die Fahne oben und auch Schiedsrichter Bastian Dankert aus Rostock schloss sich der Meinung seines Assis an. Im Kölner Keller saß freilich Bibiana Steinhaus und die schaute genau hin – mit kalibrierter Linie… und alles wurde gut – kein Abseits, der Treffer zählte, der SC führte mit 2:0. Es war der Sieg, es waren die Punkte 35, 36 und 37. Unter dem Strich ein gelungener Fußballabend, ohne Anlass zu europäischen Träumen zu geben – auch, wenn die Tabelle anderes verheißt…

 

Das Nachspiel

Durch die fünf Minuten Nachspielzeit wurde es eng im Radioprogramm von baden.fm und ich musste mit meiner Spielanalyse und den Noten für die Jungs – unter anderem eine 1 für „Günni“ – bis nach den 21-Uhr-Nachrichten warten. Nach Siegen wartet man doch gerne. Diesmal blieb ich sogar für die Pressekonferenz im Stadion und nahm in meiner einstigen Kabine aus längst vergangenen Zeiten Platz, die beheizbar ist. Danach fuhr ich blendend gelaunt nach Hause.

Am Montag folgte dann – nach einer gefühlt kurzen Nacht und dem Morningshow-Talk bei baden.fm – die Alltagsarbeit im WZO-Verlag. Zunächst die Kolumne „SC INTIM“, die am Mittwoch im ReblandKurier erscheinen wird. Hier ist sie im Wortlaut:

Zurück in der SpurVon Frank Rischmüller Drei Niederlagen ohne einen eigenen Treffer in den letzten vier Spielen – SC-Trainer Christian Streich war vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg mehr im Stress, als er es sich hatte anmerken lassen.  Einmal mehr  „schraubte“ er am Spielsystem und fand deutliche Worte in der Ansprache, um seine Mannschaft zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Nach dem verdienten 2:0-Sieg gegen die bayerisch-schwäbische Filiale – Augsburgs Trainer Heiko Herrlich stammt aus Kollnau und mit Gikiewicz, Caligiuri und Niederlechner kicken drei ehemalige SC-Profis beim FCA – konnte Streich  aufatmen. Selten bietet die Paarung Freiburg gegen Augsburg „Traumfußball“, auch am Sonntag nicht. Ausnahmen waren  einige fantastische Paraden von  Florian Müller und die beiden blitzsauberen Tore. Fast im Stile eines Lionel Messi hatte Christian Günter die Augsburger Spieler  beim Solo umkurvt und im Strafraum Roland Sallai bedient, der reaktionsschnell zum 1:0 einschoss. Einen Freistoß des überragenden SC-Kapitäns köpfte Ermedin Demirovic an den Pfosten, der aufgerückte Innenverteidiger Philipp Lienhart war zur Stelle und drückte den Abpraller über die Linie. Die Freude darüber kam deutlich verzögert auf, denn sowohl der Assistent mit erhobener Fahne als auch Schiedsrichter Bastian Dankert aus Rostock machten deutlich: Der Treffer zählt nicht - abseits! Erst eine Überprüfung durch Videoassistentin Bibiana Steinhaus im sogenannten Kölner Keller führte zu Tage, dass alles mit rechten Dingen zugegangen war – 2:0, der Sieg war in trockenen Tüchern. Abgesehen von den beiden Toren war das Spiel aber glanzlos und nicht dazu angetan, von europäischen Wettbewerben zu träumen, auf die Trainer Christian Streich und Kapitän Christian Günter von Journalisten angesprochen wurden. Streich verwies nicht zu Unrecht auf die durchwachsenen Leistungen der letzten Wochen – auch die gegen Augsburg – und ließ sich nicht auf Europa-Diskussionen ein: „Lasst uns einfach kicken!“

In der Länderspielpause testet der SC am morgigen Donnerstag, 25. März, um 13 Uhr gegen den FC Basel. In der Liga geht es mit zwei Auswärtsspielen weiter: am Ostersamstag, 3. April, 20.30 Uhr (!), in Mönchengladbach und am Freitag, 9. April, 20.30 Uhr, in Bielefeld. (Zitatende)

Heute ist Dienstag, die in dieser Woche recht arbeitsreiche Zeitungsproduktion ist beendet und ich stehe kurz vor dem schönsten Feierabend der Woche. Das ist jeweils der Dienstagabend, wenn unsere fünf Lokalausgaben ReblandKurier fertig zum Druck freigegeben sind. Am Mittwoch ist traditionell frei – ein, zwei Stündchen muss ich zwar kommen, für Online-Publikationen, Abrechnung der Ausgabe und so aber das ist ein Klacks. Gefühlt ist der Mittwoch frei. Donnerstag und Freitag sind im im Vergleich zu Montag und Dienstag extrem wenig belastend und fast  - wie soll ich sagen, vielleicht so, wie meine Trainerin immer gesagt hat – wie „beim Laufen erholen“, sprich, beim Arbeiten erholen. Dann kommt meist das Wochenende  mit Fußball-Bundesliga – das ist auch Arbeit, vor allem bei Auswärtsspielen, aber es ist natürlich auch sehr viel Leidenschaft. Ich bedauere geradezu, dass am kommenden Wochenende in der Liga Länderspielpause ist. Als kleinen Trost gibt es Jogis Jungs im TV und am Donnerstag – wenn es nicht, wegen des Corona-Alarms abgesagt wird – das Testspiel gegen den FC Basel.

Corona? Ja, in der Tat, heute kam die Meldung von dem positiven Corona-Test bei Nils Petersen. Vorab erstmal alles Gute, Nils, mögest Du ohne Symptome bleiben und schnell über den Berg sein!

Ich bin froh und glücklich, dass ich meine erste Impfe habe und vermutlich weitgehend ungefährdet bin. Natürlich verhalte ich mich trotzdem angemessen und vorsichtig.

Bleibt alle gesund Ihr Lieben, ich freue mich schon auf die nächsten beiden Spiele, beide auswärts, und das zweite bei einer gewissen Arminia in Bielefeld.