Kindheit und Jugend
Vermutlich war ich ein Silvesterknaller – was die Zeugung betrifft. Knapp neun Monate später kam ich, am 14. September, zur Welt. In der Stadtgeschichte von Bielefeld gilt seither 1960 als ein besonders segensreiches Jahr,  hoffe ich.
Als die (Un)parteiischen im Jahr 1966 das Wembley-Tor schufen, indem sie einen Ball, der auf der Linie war, hinter der Linie sahen, beschloss ich, klüger werden zu wollen als die Schiris und fortan zur Schule zu gehen. Die Grundschule – zwei Jahre Lutherschule Bielefeld, dann mein erster großer Transfer, zur Josefschule Bielefeld – fand ich Klasse. Also 1. Klasse, 2. Klasse, 3. Klasse, 4. Klasse. Genau in dieser Reihenfolge. Danach wechselte ich auf das private Gymnasium Werther, eine kleine Schule, die damals schon Nachmittagsbetreuung anbot und traditionell die erste höhere Schule für die Kinder unserer Familie war - ich war ja der Jüngste und dem Vernehmen nach auch der Frechste. Das Gymnasium Werther war schon klasse. Leider fehlte der Schule damals noch die Oberstufe, sodass ich nach der Mittleren Reife abgehen musste. Eine Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe erhielt ich zunächst nicht... So wurde die Höhere Handelsschule der kaufmännischen Carl-Severing-Schulen meine neue Ausbildungsstätte - eine höhere Berufsfachschule mit gymnasialem Zweig (Unterprima und Oberprima) für den ich mich durch gute Leistungen qualifizierte. So machte ich 1980 mein Vollabitur.

Es folgten ein paar Jahre auf dem Privaten Gymnasium Werther in Westfalen (Bin quasi ein „Werthers Echter“). Hier baute ich mit 16 meine mittlere Reife. Je älter ich wurde, umso weniger Klasse fand ich die Schule. Aus „Klasse“ wurde dann ja auch „Jahrgangsstufe“.

Vorher – irgendwann Mitte der 70er - hatte ich noch ein besonderes Erlebnis. Im vollbesetzten Saal der Bielefelder Kunsthalle (!!!) wurde von "Radio Luxemburg" die Livesendung „RTL zwölf Uhr mittags“ produziert. Ich verfolgte die Show total fasziniert und wollte fortan beruflich zum Radio. In der RTL-Sendung trat damals übrigens eine unbekannte neue Band auf - ihre erste Single hatte an diesem Tag (Radio-)Weltpremiere. Es waren Boney M. mit “Daddy Cool“. Ich, Schüler um die 15, war dabei und träumte fortan den Radio-Traum.

Dann also, wie bereits angerissen, der Transfer zu den den kaufmännischen Carl-Severing-Schulen Bielefeld, wo ich 1980 die Allgemeine Hochschulreife ablegte.

Zwischen Abi und Studium jobbte ich in der Gastronomie: in „Biermanns Weinstuben“ - nach  großen Umbauarbeiten heute „Brauhaus“ - und im „Le Bistro“ - heute eine Galerie oder sowas also nichts Gastronomisches mehr. 
Direkt über der Schüler- und Jugendkneipe "Le Bistro" hatte ich ein Zimmer.  Die Nächte waren kurz und sowohl das Bistro als auch mein Zimmer stets gut besucht. Eine gaaaaaanz wilde Zeit...

Und dann war schlagartig Schluss mit dem Nachtleben - es folgte ein Wohnungswechsel und das Studium: Germanistik, Linguistik und Soziologie an der Universität Bielefeld. 

Anfangs studierte ich auch noch Philosophie, aber das ließ ich schnell sein, weil die anderen Studis während der Seminare gerne auf der Erde saßen und strickten und "sowieso nur studiere, weil ich nicht zum Bund will", wie sie erzählten, egal, ob man das wissen wollte oder nicht. Das war nun wirklich nicht meine Welt. Zum Bund wollte ich zwar auch nicht, aber dafür hatte ich meinen lädierten Rücken und nicht das Studium.

Nach dem Abschluss des Grundstudiums wollte ich für ein Studienjahr nach Süd-Frankreich. Dieser Entschluss sollte mein weiteres Leben nachhaltig prägen.  Ohne ihn wäre ich nie für Jahrzehnte ein halber Franzose geworden, hätte nie 20 Jahre lang eine glückliche Ehe mit  Véronique aus Montpellier geführt, hätte nicht zwei fantastische deutsch/französische Kinder und wäre auch vermutlich nie wirklich beruflich beim Radio gelandet.

Mein erster großer Abschied von Bielefeld und Deutschland fand 12 Stunden nach dem WM Finale 1982 statt. In meinem für 5.000 Mark gebraucht gekauften blauen Buggy mit fetten Breitreifen düste ich dem Abenteuer „Leben“ entgegen. Erst für zwei Monate an die Côte d’Azur, wo ich als Betreuer von deutsch-französischen Jugendgruppen arbeitete. Später dann nach Montpellier, wo Véronique in mein Leben trat.

An der Université Paul Valéry von Montpellier war ich auch einmal. Zum Beantragen meines Studentenausweises. Den habe ich dort aber nie abgeholt. Statt Linguistik zu studieren, lernte ich Französisch und die südfranzösische Lebensart, die mich teilweise noch heute prägt.

Außerdem schlich ich mich als „am französischen Radio interessierter Journalist aus Deutschland“ bei „Radio Choc“, einem seiner Zeit erfolgreichen, nicht kommerziellen Lokalsender ein, und wurde dort schon bald der erste und einzige deutsche DJ. Später reifte ich sogar zu so etwas wie einem richtigen (Hobby-)Moderator heran. Mit deutschem Akzent halt. Mehr denn je wollte ich Radio zu meinem Beruf machen. („Radio Choc“ wurde später von der landesweiten kommerziellen Kette „Chérie FM“ aufgekauft.)

Im Herbst 1983 war es Zeit, zurück nach Bielefeld zu kehren. Véronique begleitete mich und knapp zwei Jahre später heirateten wir am 3. August 1985 in Montpellier.

In jenen Jahren gerieten meine Radio-Pläne etwas in den Hintergrund. Der Traum war zwar immer irgendwie präsent, spielte im Alltag aber keine Rolle. Nach der Rückkehr nach Deutschland also war ich anfangs, wie schon in den Jahren vor der Südfrankreich-Zeit, neben dem Studium freiberuflicher Sportreporter beim Westfalen-Blatt. Später bekam ich an der Uni einen sogenannten Hilfskraft-Job, der mir ein eigenes Büro in der Hochschule einbrachte. Das war natürlich ganz großer Rock n’ Roll für mich!

Ich jobbte also als studentischer Forscher in dem Projekt „Kommunikation in Kontaktsituationen zwischen deutschen und französischen Sprechern“, hielt Fach-Vorträge zu unserem Forschungsthema u.a. an den Hochschulen in Basel und Lyon, leitete die Übungsstunden bei „Einführung in die Linguistik“ für Erstsemester und kriegte auch noch Geld dafür. Ich fühlte mich eigentlich als Quasi-Professor.

Abends unterrichtete ich Französisch in der Volkshochschule und übernahm zudem als Verantwortlicher die Vereinszeitung „almpost“ von Arminia Bielefeld. Nebenbei baute ich in Montpellier ein Feriensprachzentrum für deutsche Schüler auf und coachte in der Freizeit überaus erfolgreich die A-Junioren des Bielefelder Traditionsvereins TuS Eintracht Bielefeld (s. Foto), mit der der Titelgewinn und der Aufstieg in die nächst höhere Liga gelang. Später wechselte ich als U19-Coach zur Spvg. Fichte (heute VfB Fichte).  Ich gab an allen Fronten Vollgas – nur im eigentlichen, im Prinzip weit fortgeschrittenen  Studium nicht wirklich, muss ich zugeben. Ich fühlte mich zum Einen überqualifiziert für so eine schnöde Prüfung, zum Anderen quälten mich,  glaube ich, heimliche Prüfungsängste. Denn wenn, dann musste ich natürlich mit Auszeichnung abschneiden. Alles andere wäre für mich als „Hoffnungsträger“ von Frau Professor G., angesichts meines Jobs in dem Forschungsprojekt und obendrein als Tutor, gewissermaßen eine Schmach gewesen. 
Obwohl ich alle "Scheine" hatte, schob ich die Anmeldung zur Magisterarbeit und –prüfung vor mir her. Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und dann kam der private Hörfunk nach Nordrhein-Westfalen…

Bei Radio Bielefeld sollten Dietrich Mohaupt (heute Studioleiter und Niedersachsen-Korrespondent beim Deutschlandradio) und der ganz noch sehr junge Matthias Knop (heute als fantastischer Comedian „Matze Knop“ bekannt) für den Sport verantwortlich sein. Die beiden fragten bei Arminia Bielefeld an, ob es denn einen für das Radio geeigneten Experten in Sachen Arminia gäbe.

Von dem Geschäftsstellenmitarbeiter Karl-Gerd Büttemeier, der noch heute im Backoffice der Armina arbeitet, erhielten sie die Auskunft, „Frank Rischmüller, der unsere Vereinszeitung "almpost" macht, hat Radioerfahrung aus Frankreich und bestimmt Interesse an dem Job.“ So wurde ich zusammen mit ein paar anderen Kandidaten zur Probereportage für Radio Bielefeld eingeladen.

Im Gütersloher Heidewaldstadion spielte damals, ich glaube es war in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga, der SC Verl gegen den VfL Wolfsburg. Wir waren fünf oder sechs Kandidaten und mussten alle ein paar Minuten via Telefonleitung kommentieren – natürlich nur für das Tonband, das im Produktionsstudio in Bielefeld mitschnitt. Danach war im kleinen Funkhaus gemeinsames Anhören und Manöverkritik angesagt. Wir waren alle total gespannt, aber keiner so sehr wie ich, denn es ging hier ja irgendwie um meinen Lebenstraum,  Radiojournalist zu werden. Seit Mitte der 70er und dem Schlüsselerlebnis bei der RTL-Livesendung (siehe oben) trug ich diesen Wunsch in mir. 

Nachdem alle Reportagen vorgespielt worden waren, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Wie würde das Urteil der hauptberuflichen Radiomacher ausfallen? Dietrich Mohaupt ergriff das Wort: „Das, was Frank Rischmüller gemacht hat…(kurze Kunstpause)… ist Maßstab für alle anderen.“ Ich bekam eine Gänsehaut - ich wusste, ich hatte es geschafft, konnte ab sofort meinen Traumberuf leben.

Ich ließ die Uni sausen, ließ die Volkshochschule sausen, nach einem Jahr auch das Sprachferienzentrum  in Montpellier. 
Ich machte Nägel mit Köpfen, gründete die Presse- und Rundfunkagentur „WESTSPORT“, machte in diesem Rahmen die Vereinszeitung von Arminia und wurde Sport-Anchorman bei Radio Bielefeld, bis heute einem der erfolgreichsten und meist gehörten Lokalsender in NRW. Ich lebte meinen Traum und verdiente auch ganz gut damit. Meine erste große Übertragung war übrigens das DFB-Pokalspiel des damaligen Oberligisten DSC Arminia gegen Borussia Dortmund. Ich kommentierte gemeinsam mit Matze Knop (s. Foto-Schnappschuss).

Schnell wurde meine freiberufliche Radio-Tätigkeit professioneller und umfangreicher. Neben den Fußballübertragungen für Radio Bielefeld - von Bezirksliga bis Bundesliga und natürlich von allen Spielen "meiner" Arminia in der Oberliga Westfalen -  moderierte ich sonntagvormittags ein Reisequiz für Radio Herford und für Radio Lippe fasste ich jeden Sonntagabend per Telefonschalte die Oberliga-Ergebnisse kommentierend zusammen - übrigens oft genug von einer Autobahnraststätte aus, auf der Rückfahrt von Auswärtsspielen der Arminia.

Der nächste Schritt führte mich heraus aus Ostwestfalen. Ich bot bundesweit Übertragungen an und erhielt entsprechend Aufträge. Ich kommentierte zum Beispiel Spiele der Handball- und Fußball-Bundesliga für die landesweiten Sender Delta Radio (Schleswig Holstein) und Radio FFH (Hessen), Tennis Davis-Cup für verschiedene deutsche Lokalsender, oder auch die Tischtennis-DM für RTL Radio. Nicht immer deckten die Honorare auch die Reisekosten, aber ich sammelte wertvolle Erfahrungen – und natürlich Arbeitsproben. Und genau damit bewirbt man sich im Radio-Business.

Radio für SüdbadenIch bewarb mich 1993 mit meinen besten Arbeitsproben für die bundesweit ausgeschriebene Position des Sportchefs bei Radio Freiburg FR 1.   Einige Wochen später bekam ich einen Anruf vom damaligen Geschäftsführer und Programmchef Karl-Heinz Zurbonsen. Wie ich mir denn die Arbeit als Sportchef vorstellen würde, hat er mich gefragt. Ich erwiderte, der SC Freiburg sei ja gerade in die 1. Liga aufgestiegen und müsse im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Eine von mir geleitete Sportredaktion müsste es selbstverständlich leisten können, mit eigenen Reportern von allen Heim- und Auswärtsspielen des SC zu berichten. Möglichst solle es eine personifizierte Berichterstattung sein, mit immer demselben Reporter. „Im Prinzip mit mir“, sagte ich, es sei denn, er habe einen Besseren für diese Rolle. Dies würde ich allerdings bezweifeln, erklärte ich - äußerlich obercool bis arrogant, innen mit mächtig viel Herzklopfen. Hatte ich zu hoch gepokert? „Wann können Sie nach Freiburg kommen?“ fragte Zurbonsen trocken.

Nach einer alkoholisch heftigen und vor allem für mich sehr emotionalen Abschiedsparty in einem Bielefelder Nachtclub (s. Foto mit Schals), an der auch der damalige Arminia-Trainer Ingo Peter und einige Spieler des DSC teilnahmen, wurde ich ab 1. Januar 1994 offiziell Sportchef von Radio FR 1. Seither habe ich – bis heute – sämtliche Pflichtspiele des SC Freiburg live übertragen. Bis zur jüngsten Aktualisierung dieser Internetpräsenz, im März 2018 sind es exakt  900. Mein Traum ist nach wie vor, 1.000 Livespiele zu schaffen. 2021 könnte es so weit sein, wenn nichts dazwischen kommt.

Der Verein SC Freiburg , seine besondere Philosophie, sein eigener Weg und auch seine fußballerisch orientierte Spielweise wuchsen mir schnell ans Herz. Am 1. Januar 2018 habe ich mich entschlossen, dem Sportclub auch als Mitglied beizutreten. Es war mir einfach ein Bedürfnis.

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Ende 1997 hat Unternehmensgründer Karl-Heinz Zurbonsen seinen Sender Radio FR 1 verkauft. Nach ein paar Irrungen und Wirrungen in den ersten vier Monaten unter der neuen Führung wurde ich vorübergehend Anzugträger und für ein paar Jahre Chefredakteur des Senders. Phasenweise hatte ich in jener Zeit die Redaktionsleitung, die Moderation der täglichen Morningshow „Hallo Wach“ und die Übertragungen aller SC-Spiele zu stemmen.

Nebenbei machte ich Gehversuche als TV-Reporter bei Premiere, wo ich ein paar Monate lang sonntagabends die Top-Spiele der französischen Liga kommentierte. Nicht aus Paris oder Bastia, sondern aus München, vor einem Monitor sitzend. Doch auch das war weit weg von Südbaden und ich war unter dem Strich nur selten zu Hause. Und wenn, dann in Gedanken beim Job, oder angesichts der Belastungen sehr dünnhäutig. Rückblickend ging damals leider meine Ehe mit Véronique zu Bruch.

Die endgültige Trennung von meiner südfranzösischen Frau vollzog sich nach gut gemeinten Reparaturversuchen erst ein, zwei Jahre später, im Frühjahr 2004. Ich zog aus -  wohnte plötzlich nicht mehr in unserem Einfamilienhaus mit Garten im Elsass, sondern in einer kleinen Pension ganz in der Nähe.

Wirtin der Pension war eine Frau Fessler-Baisch, die ihren Lebensunterhalt in erster Linie als in Fachkreisen recht bekannte Wahrsagerin verdiente. Ein oder zwei Mal hat mir Frau Fessler-Baisch quasi aus Sympathie kostenlos die Karten gelegt und in meine Zukunft geschaut. Sie sagte mir erhebliche Veränderungen im Arbeitsleben, verbunden mit deutlichen materiellen Verbesserungen und eine große Liebe voraus. Ich glaubte ihr natürlich nicht, aber sie sollte am Ende tatsächlich Recht behalten.

Weil ich angeblich "zu alt und zu teuer" war, musste ich Ende 2004 meinen Chefsessel bei Radio FR 1, das inzwischen Antenne Südbaden hieß, räumen. Vorausgegangen waren zahlreiche von Neid und Missgunst geprägte Intrigen und Ränkespiele, die zu erleben ich niemandem für sein Berufsleben wünsche. Für mich brach damals eine Welt zusammen. Meine Welt eben. Dem Sender, der mich vor die Tür setzte, hatte ich alles gegeben: Unendlich viel Zeit und Engagement, vermutlich auch ein bisschen Talent und vor allem sehr viel Herzblut. Jetzt sollte ich gehen. Dass die widerlichen Strippenzieher von damals inzwischen längst selbst mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wurden, kann ich nur konstatieren. Den emotionalen Absturz, den diese Typen damals bei mir verursacht haben, kann das nicht wieder gut machen. In Erinnerung daran sehe ich absolut rot(h) und rot(h)er. Insider wissen, wie ich das meine...

Finanziell war dieser emotionale Absturz allerdings tatsächlich - wie von der Wahrsagerin viele Monate vor den Veränderungen vorausgesagt - ein Aufstieg. Die Münchener Eventagentur „runabout“ engagierte mich als Marketing- und Pressechef und beauftragte mich mit der Vermarktung von Großereignissen im Ausdauersport. Insbesondere ging es dabei um den populären Freiburg Marathon. Neben dem Job als Fußballreporter am Wochenende, der mir nach der gütlichen Einigung über die Trennungsmodalitäten mit Antenne Südbaden erhalten geblieben war,  hatte ich also reichlich zu tun und ich lernte schnell gut zu verkaufen – und was es heißt, ein guter Verkäufer zu sein: Hohe Einnahmen durch Provisionen.

Zu hohe Provisionen aus der Sicht der Agentur „runabout“,  die den Vertrag mit mir, nach Ablauf eines Jahres,  etwas überraschend nicht verlängern wollte. Immerhin hatte ich mein Umsatzziel um 400 Prozent übertroffen (und meinen legitimen Gehaltsanspruch quasi vervierfacht). Die Trennung nach Vertragsende verlief aber letztlich in gutem Einvernehmen und das Jahr Sport-Marketing behalte ich in guter Erinnerung. Die hohen noch ausstehenden Provisionszahlungen sollten mir in Raten in den folgenden 14 Monaten ausgezahlt werden. So hatte ich eine Menge Zeit und vergleichsweise viel Geld. Beides nutzte ich, wenn der Spielplan des SC Freiburg es irgendwie zuließ,  zu zahlreichen Reisen in die Karibik, wo ich Yoani kennen und lieben lernte.

So bin ich seit dem 1. September 2006 - mit sehr viel Freude am Job - Redaktionsleiter beim WZO-Verlag.  Am Wochenende mache ich nach wie vor Fußball live für baden fm - Der Sender hat inzwischen mal wieder den Namen gewechselt.  Ich kann also behaupten, ich führe meinen Wunschberuf als Journalist aus, in Teilen auch meinen Traumberuf als Fußballkommentator im Radio, bin gut ausgelastet und natürlich auch ganz gut versorgt.

Auch privat hat sich sehr viel geändert. Yoani, meine karibische Freundin, die ich zunächst über ein Internetportal kennen gelernt hatte und dann immer häufiger besuchte und ich - das passte einfach.

Wir liebten uns sehr und die Trennungen wurden immer unerträglicher. Durch meinen neuen Job als Redaktionsleiter zweier Wochenzeitungen konnte ich ab Herbst 2006   längst nicht mehr so häufig über den Atlantik düsen wie zuvor. Also bemühte ich mich um ein Besuchervisum für meine Freundin. Sie sollte Deutschland kennen lernen und prüfen, ob sie sich ein Leben mit mir hier vorstellen konnte. Der erste Visumsantrag wurde abschlägig beschieden. Mit Unterstützung des damaligen Freiburger SPD-Bundestagsabgeordneten Gernot Erler, seiner Zeit übrigens Staatsminister im Auswärtigen Amt, gelang es im zweiten Versuch, ein Drei-Monats-Visum für Yoani zu bekommen. Sie besuchte mich von November 2006 bis Februar 2007 in meiner kleinen Stadtwohnung in Freiburg und wir merkten beide, dass unser Zusammenleben auch hier in Deutschland und über einen längeren Zeitraum super harmonierte. Ihre Abreise nach drei Monaten Zweisamkeit war furchtbar. Also kam sie schon bald darauf ein zweites Mal und Anfang 2008 ein drittes Mal zu mir. Längst schmiedeten wir Hochzeitspläne und träumten von einer gemeinsamen Zukunft.


Bei Yoanis drittem Besuch bei mir in Freiburg, griff womöglich der liebe Gott ein. Ungeplant aber durchaus willkommen wurde Yoani schwanger. Just zu dem Zeitpunkt, als wir hundertprozentig sicher waren, die Zukunft um jeden Preis gemeinsam verbringen zu wollen. Ben war unterwegs - obwohl wir anfangs noch glaubten, es sei Amelie-Melissa. Das Ausländeramt in Freiburg zeigte sich gnädig und verlängerte Yoanis Aufenthaltstitel für eine geplante Eheschließung. Sie durfte nach Ablauf ihres Besuchervisums also offiziell hier bleiben. Wir bastelten an unserer Zukunft. In Windeseile zog ich meine Scheidung von Véronique durch, heiratete Yoani an einem herrlichen Sonnentag, am 20. September 2008, und war überglücklich, als ein paar Wochen später, am 30. Oktober, in Freiburg unser Sohn Ben zur Welt kam.

Während Ben in Yoanis Bauch heranwuchs, entstand in Bad Krozingen das neue Verlagshaus des WZO-Verlags. Bislang hatten unsere Geschäftsräume in Müllheim, direkt an der B3 gelegen. Drei Wochen vor Bens Geburt zog der Verlag in die Tulpenbaumallee 19 in Bad Krozingen ein. Schon eine Woche früher war ich mit Yoani in die Betriebswohnung des Gebäudes, oberhalb der Geschäftsräume eingezogen. Meine erwachsenen Kinder aus erster Ehe, Jérôme und Caroline, übernahmen als Studenten meine kleine Stadtwohnung in der Freiburger City. Alles lief wie geschmiert. Wir hatten eine große Wohnung, Ben kam zur Welt - der Himmel hing und hängt voller Geigen.

Natürlich auch, weil nach den Wirrungen seit dem Verlust meines Chefsessels beim Radio wieder richtige und dauerhafte Stabilität in mein Berufsleben Einzug gehalten hat. Ich befinde mich nun schon seit über zwölf  Jahren (Stand: März 2018) in der Position als Redaktionsleiter bei WZO und habe hier erstklassige Arbeitsbedingungen in jeder Beziehung. Dass ich sechs Jahre lang auch privat im WZO-Verlagshaus in Bad Krozingen gewohnt habe, zeigt, wie groß die Identifikation ist. Ich mache meinen Job mit Leib und Seele - und auch mit dem nötigen Erfolg. 

Meine Passion - Fußball im Radio - lebe ich nebenbei auch weiter. Ich bin nach wie vor bei jedem Spiel des SC Freiburg als Livereporter für baden.fm dabei. Im März 2018 habe ich in Berlin mein 900. SC-Livespiel in Serie übertragen. Dass der SC im Frühjahr 2016 zum vierten Mal in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist, macht die Sache noch interessanter. In der 1. Liga ist halt mehr los...

 Unser kleiner Ben ist inzwischen schon neun Jahre alt, geht zur Schule und macht uns viel Freude; Als Fußballer beim FC Bad Krozingen zeigt er übrigens durchaus Talent... Seit dem 31. August 2012 komplettiert mit Amelie ein süßes kleines Mädchen unsere rundum glückliche Familie. Ich genieße wieder mein Dasein als Familienvater - ganz wie vor etwa 20 Jahren, als ich auch schon einmal einen kleinen Jungen und ein kleines Mädchen hatte... Vieles hat sich seither in meinem Leben verändert, war zwischendurch in Unordnung und wurde wieder in Ordnung gebracht. Manches blieb auch gleich: Ich übertrage zum Beispiel nach wie vor mit viel Leidenschaft alle Spiele des SC Freiburg im Radio. Mittlerweile bin ich überzeugt davon, 1.000 Spiele zu schaffen - mindestens. Ende offen -  Schaun mer mal...

Jérôme und Caroline, meine beiden Kinder aus der Ehe mit Véronique, haben 2011 ihr jeweiliges Studium beendet und leben ihr eigenes Leben. Caro lebt und arbeitet in Frankfurt und Jérôme ist nach einigen erfolgreichen Jahren im Beruf und einer durch eine Weltreise ausgefüllten einjährigen Auszeit inzwischen in der Schweiz verwurzelt. Er lebt in Zürich und macht einen sehr zufriedenen Eindruck auf mich. Beiden "Großen" geht es blendend. Keine Frage, Privat- und Berufsleben verlaufen vor diesem Hintergrund auch bei mir in sehr angenehmen und geordneten Bahnen.

In unserer Wahlheimat Bad Krozingen wollen Yoani, Ben, Amelie und ich dauerhaft bleiben. Hier haben wir Wurzeln geschlagen. Deshalb haben wir im Herbst 2012 ein Reihenhaus gekauft, das in dem völlig neuen Bad Krozinger Stadtviertel "Kurgarten", gleich neben dem Kurpark, ab Herbst 2013 gebaut wurde. Im November 2014 konnten wir dann in unser neues Haus einziehen und sind dort sehr glücklich.  

Hier endet jetzt zunächstmal meine Geschichte... aber:

Fortsetzung folgt...